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„Ich habe bis zur Matura ministriert!“
Interview der Ministranten-Zeitschrift „minililie“ mit Diözesanbischof DDr. Klaus Küng von St. Pölten

Klaus Küng

Hinweis/Quelle: minililie

Die Redaktion der Ministrantenzeitschrift „minililie“ konnte Diözesanbischof DDr. Klaus Küng von St. Pölten für ein Interview gewinnen, das in zwei Teilen in der Zeitschrift erschienen ist. Im ersten Teil des Interviews geht es um die Fragen des Ministrantendienstes und der heiligen Messe, im zweiten Teil um das Gebet und die Verehrung der Gottesmutter Maria.

1. Teil des Interviews

minililie: Exzellenz, die Zeitschrift minililie wird vom Marianischen Jugendwerk herausgegeben und hat derzeit eine Auflage von 600 Stück. Es ist für uns eine große Ehre, dass Sie uns anlässlich der 9. Ausgabe ein Interview geben. Viele unserer Leser üben den Ministrantendienst aus. Waren Sie in Ihrer Kindheit Ministrant?

Bischof Küng: Ja, ich habe mehrere Jahre in der Dompfarre in Feldkirch ministriert und war regelmäßig bei Hochämtern mit dem Bischof eingeteilt. Später durfte ich in einer anderen Kirche während meiner ganzen Zeit auf dem Gymnasium bis zur Matura ministrieren.

minililie: Können Sie sich an lustige Begebenheiten erinnern, die Sie als Ministrant erlebt haben?

Bischof Küng: Früher musste der Ministrant nach dem Schlussgebet das Messbuch auf die andere Seite des Altars bringen. Ich war als Kind sehr klein und erinnere mich an einen gebrechlichen Priester, der mir auch nicht helfen konnte. Ich konnte nämlich das Buch nicht erreichen, das auf dem Altar lag. Ich war einfach zu klein. Das muss sehr komisch ausgesehen haben. Schließlich kam mir jemand von rückwärts zu Hilfe, sodass das Buch dort landete, wo es stehen sollte.

minililie: Als Bischof kommen Sie in viele verschiedene Pfarren. Was haben Sie als Bischof schon mit Ministranten erlebt?

Bischof Küng: Alles Mögliche! Es herrscht unbegründet oft große Nervosität beim Priester und den Ministranten, wenn der Bischof kommt. Es ist schon mehrmals passiert, dass sich die Ministranten beim Einzug in die Kirche selbstständig gemacht haben – wie Pferde, die scheu geworden sind. Ich selber war noch draußen vor der Kirche und die Ministranten standen schon vorne beim Altar.

minililie: Das Zentrum der Heiligen Messe ist ja die Wandlung, wenn das Brot zum Leib und der Wein zum Blut Christi werden. In der heiligen Kommunion dürfen wir den Leib des Herrn empfangen. Was würden Sie Kindern, besonders Erstkommunikanten, als Vorbereitung auf den Kommunionempfang raten?

Bischof Küng: Für mich ist der wichtigste Gedanke immer der, den die Heilige Theresia von Avila ihren Mitschwestern vorgelegt hat: Sie sollen überlegen, WER zu WEM kommt. Ich glaube, das Wichtigste besteht darin, sich bewusst zu machen: Was bedeutet die heilige Kommunion? Letztlich ist in der Kommunion Christus da – mit Leib und Blut, mit seiner Gottheit und seiner Menschheit. Und wir erhalten dieses große Geschenk, dass er zu uns kommt. Wir wollen ihm dafür sehr dankbar sein, dass er bei uns ist. Gleichzeitig bringt das mit sich, dass wir auch den Wunsch haben, Wohnstatt zu werden für Christus.

minililie: Können Sie das näher erklären?

Bischof Küng: Ich vergleiche das öfter mit einem Besuch, den man erwartet. Eine gute Hausfrau trifft Vorbereitungen für einen hohen Besuch und unternimmt große Anstrengungen, damit die Räume sauber und geschmückt sind und das beste Essen vorhanden ist. Und wenn irgendetwas schmutzig ist, dann wäscht sie es. Das ist nämlich auch wichtig, diese innere Vorbereitung, die wir im Sakrament der Buße und Versöhnung vornehmen.

minililie: In der heiligen Kommunion kommt Jesus selbst in unser Herz. Können Sie Hilfen geben, was die Kinder in diesem wichtigen Moment tun sollen?

Bischof Küng: Hier können wir auf das Vorbild vieler Heiliger schauen und Gebete verwenden, die die Heiligen verwendet haben. Das Wichtigste nach der heiligen Kommunion besteht darin, mit Jesus zu reden. Ich vergleiche es wieder mit einem hohen Besuch, der vielleicht nur kurze Zeit da ist. Da wollen wir die Zeit natürlich gut nutzen, um mit ihm zu reden. Man kann mit Jesus über alles reden. Bei Jesus, der uns ja alle kennt, ist es nicht schwer, unser Herz zu öffnen. Wir können ihm sagen, dass wir dafür dankbar sind, dass er in der heiligen Kommunion in unser Herz gekommen ist. Wir können ihm unsere Liebe zum Ausdruck bringen. Wir können ihm aber auch unsere Bitten, unseren Kummer und unsere Sorgen vortragen. Dann nützen wir die Zeit nach der Kommunion gut.

2. Teil des Interviews

minililie: Exzellenz, viele unserer Leser können sich nicht vorstellen, was ein Bischof den ganzen Tag so macht. Worin bestehen die Aufgaben eines Bischofs?

Bischof Küng: Es gibt kaum einen anderen Beruf, der so bunt ist wie der des Bischofs. Ich bemühe mich bei aller Vielfältigkeit eine gewisse Struktur in meinen Tag zu bringen, indem ich immer mit einer Zeit des Gebetes beginne und meist mit der Heiligen Messe. Dann folgen Besuche und nicht selten finden Sitzungen statt. Als Bischof habe ich auch Verpflichtungen in den Pfarren – zum Beispiel Firmungen.

minililie: Worüber freut sich ein Bischof besonders?

Bischof Küng: Ich freue mich, wenn jemand den Weg zum Glauben gefunden oder eine Krise überwunden hat oder wenn sich jemand entschließt, einen bestimmten Schritt zu setzen, zum Beispiel Priester zu werden.

minililie: Unsere Zeitschrift ist besonders der Gottesmutter geweiht. Welche Bedeutung hat die Maria für unser Leben?

Bischof Küng: Maria hat eine wichtige Rolle, weil sie das ganz große Vorbild ist. Sie war der Anfang einer Wende für die Menschheit. Sie war das Geschöpf, das von Gott erwählt war, um Jesus zu empfangen. Sie hat ihn unter dem Herzen getragen und zur Welt gebracht. Wir dürfen auf Maria schauen, damit auch wir lernen, Jesus zu empfangen. Wir sollen ihn so empfangen lernen, wie sie ihn empfangen hat – mit Reinheit und Andacht.

minililie: Warum ist Maria so wichtig?

Bischof Küng: Maria ist die Person, die Jesus auf Erden am nächsten stand. Das zeigt sich zum Beispiel bei der Hochzeit zu Kana. Auf ihre Fürbitte hin tat Jesus sein erstes Wunder. Deshalb ist es gut, sich an Maria zu wenden. Sie bringt unsere Bitten vor Gott. Die Geheimnisse ihres Lebens sind eng verflochten mit dem Leben Jesu, wie wir es beim Rosenkranz bemerken. Ich liebe den Rosenkranz als einfachen Weg, um ruhig zu werden, um sich Jesus und Maria zuzuwenden, um so Kraft für den Alltag zu holen.

minililie: Sie haben den Rosenkranz angesprochen. Für viele ist der Rosenkranz mühsam und eher langweilig. Welche Tipps können Sie geben?

Bischof Küng: Ich rate allen, das Rosenkranzgebet einfach zu probieren, klein anzufangen – mit einem Gesätzchen pro Tag. Tatsächlich kann das am Anfang mühsam erscheinen. Doch wenn man nicht zu früh aufgibt, entdeckt man, dass der Rosenkranz selbst in schwierigen Momenten Halt gibt. Der Rosenkranz ist durch die Wiederholung der Worte eine einfache Art, zu Gott gehen zu lernen. Ich glaube, man soll mit einer gewissen Gelassenheit, ohne zu übertreiben, aber doch regelmäßig dieses Gebet versuchen. Übung macht den Meister.

minililie: Welche persönlichen Erfahrungen haben Sie mit Papst Benedikt XVI.?

Bischof Küng: Seit ich Bischof bin, hatte ich regelmäßig Kontakt mit Kardinal Ratzinger. Besonders schätze ich an ihm, dass er die Situation der Kirche in der ganzen Welt wie kein anderer kennt, dass er ein sehr liebenswürdiger und gottbezogener Gesprächspartner ist. Man spürt einfach, dass er aus dem Glauben lebt. Und ich glaube, wir sollen sehr, sehr dankbar sein, dass der Heilige Geist ihn erwählt hat, in dieser schwierigen Zeit Papst zu sein.

minililie: Exzellenz, danke für dieses Interview!

Das Interview führten Pfarrer Mag. Christian Poschenrieder und Christoph Weiss.