Aufruf der Erzbischöfe und Bischöfe Österreichs
zum Sonntag der Weltmission
am 18. Oktober 1998

Liebe Schwestern und Brüder in Christus!

In der Vorbereitung auf das Jubeljahr 2000 hat der Heilige Vater das Jahr 1998 dem Heiligen Geist geweiht. Der Heilige Geist bewegt dazu, den Glauben zu verkünden. Er bewegt zur Mission.

Vor seiner Himmelfahrt sagte Jesus zu den Jüngern: ,,Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen ... und ihr werdet meine Zeugen sein ... bis an die Grenzen der Erde" (Apg 1,8). Weil die Apostel die Frohe Botschaft von Jesu Tod und Auferstehung verkündet haben, entstanden an vielen Orten christliche Gemeinden. Weil andere ihren Glauben weiterschenkten, darum dürfen auch wir glauben.

Vor 1300 Jahren erhielten die Bewohner Salzburgs durch die Missionare Rupert und Virgil das wertvolle Geschenk des christlichen Glaubens. Es entstand das älteste der heute bestehenden Bistümer auf österreichischem Boden. Voll Freude haben wir zu diesem Jubiläum im Juni den Besuch des Heiligen Vaters empfangen. Johannes Paul II. sagt von sich: ,,Ich habe mich über die Straßen der Welt auf den Weg gemacht, um das Evangelium zu verkünden, ... um die Kirche zu trösten, um den Menschen zu begegnen" (Enzyklika Redemptoris Missio vom 7. Dez. 1990, Nr. 63).

Menschen wie Papst Johannes Paul II., wie Virgil und Rupert verlassen immer wieder - unter dem Anhauch des Heiligen Geistes - ihre Familie, ihre Heimat und ihre Kultur, um anderen den Schatz des Glaubens zu bringen. Dankbar denken wir am Sonntag der Weltkirche an die über 600 Österreicherinnen und Österreicher, die heute weltweit als Missionare wirken, und bitten Gott, daß er bei uns und überall auf der Welt viele missionarische Berufungen wecken möge.

Am Sonntag der Weltkirche kann unser Christsein durch die Lebendigkeit der jungen Kirchen und ihr missionarisches Engagement neue Impulse bekommen. Missio vermittelt jedes Jahr durch ein Beispielland Impulse für unsere Kirche. Die Christen im heurigen Beispielland Bangladesch sind eine verschwindende Minderheit. Sie begegnen den Angehörigen anderer Religionen in Achtung und Dialogbereitschaft. Christen reden mit Muslimen, Hindus und Buddhisten über Gott und ihre Hoffnung, setzen sich aber mit ihnen auch für eine umfassende Entwicklung, für soziale Gerechtigkeit und für die Befreiung des Menschen ein. Das Beispiel unserer Schwestern und Brüder in Bangladesch ist eine Einladung an uns, offen zu werden für Menschen anderer Religionen und Kulturen und mit ihnen solidarisch zu sein.

Die Gottesdienste am Sonntag der Weltkirche können durch Themen und Elemente aus der Weltkirche bereichert werden. So wird für alle Mitfeiernden spürbar werden, daß an diesem Tag ein Fest der Weltkirche in globaler, grenzenloser Gemeinschaft gefeiert wird. Wir beten für alle Missionare, damit durch ihre Botschaft viele Menschen zum Glauben an Christus kommen. Wir gedenken auch derer, die ihr Leben für das Evangelium gegeben haben, besonders der Bischöfe Juan Gerardi aus Guatemala und John Joseph aus Pakistan. Möge ihre Lebenshingabe der Same für die Ausbreitung des Evangeliums, für das Wachstum der Kirche, für Gerechtigkeit und Friede in diesen Ländern sein!

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben!

Durch die Missio-Sammlung am Sonntag der Weltkirche wird das weltweite Missionswerk der Kirche - besonders in den ärmsten Ländern - unterstützt. Aus diesem Anlaß bitten wir Euch um eine großzügige Gabe, damit die Ortskirchen in den ärmsten Regionen Afrikas, Asiens und Lateinamerikas ein Grundbudget für ihre pastoralen und sozialen Aufgaben bekommen. Eure Spende garantiert die Ausbildung und den Lebensunterhalt von Seelsorgern, Religionslehrern, Pastoralassistenten und Mitarbeitern in sozialen und karitativen Berufen sowie den Aufbau von Kirchen, Pastoralzentren und Sozialeinrichtungen. Lassen wir die Verkünder der Frohbotschaft, die oft unter schwierigsten Bedingungen arbeiten, nicht hängen!

Dankbar für Eure Bereitschaft zum Teilen mit der Weltkirche, für Euer Gebet und Eure großzügige Gabe grüßen wir Euch im Heiligen Geist und bitten, daß Gott Euch segnen und behüten möge.

Die Erzbischöfe und Bischöfe Österreichs

Hinweis: Es empfiehlt sich, das Hirtenwort bereits am Sonntag vor dem Sonntag der Weltkirche, das ist am 11. Oktober 1998, bei allen Gottesdiensten als Vorankündigung zur Verlesung zu bringen.

Der Text wurde publiziert in: St. Pöltner Diözesanblatt, Nr. 10, 15. September 1998




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