Rundschreiben
unseres Heiligen
Vaters
Papst PIUS XII.
durch göttliche
Vorsehung Papst
An
die ehrwürdigen Brüder, die Patriarchen, Primaten, Erzbischöfe, Bischöfe und
die anderen Oberhirten, die in Frieden und Gemeinschaft mit dem Apostolischen
Stuhle leben
über die Heilige Schrift
30.9.1943
Fest der Heiligen Hieronymus
Lateinischer Text in: AAS 35 (1943)
297-326.
Offizieller deutscher Text, Feldkirch
1946, digitalisiert von Armin Jauch. HTML-Format erstellt am 21.03.2004 von Dr.
Josef Spindelböck. Irrtum vorbehalten.
Übersicht
I.
Die letzten Päpste und die Heilige
Schrift
1. Sorge
für die biblischen Studien
2. Sorge für den Gebrauch der Heiligen Schrift
2. Die Erklärung der Heiligen Schrift
3. Neue Aufgaben der Schrifterklärung
4. Die Behandlung der schwierigen Fragen
5. Die Heilige Schrift und die Unterweisung
der Gläubigen
Ehrwürdige Brüder,
Gruß und Apostolischen Segen !
1 Unter der Eingebung des göttlichen Geistes haben die
heiligen Schriftsteller jene Bücher verfasst, die Gott in seiner Vatergüte dem
Menschengeschlecht schenken wollte „zur Belehrung, zur Widerlegung, zur
Zurechtweisung und zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der gottgeweihte
Mensch vollkommen sei, ausgerüstet zu jedem guten Werk“ (2 Tim 3,16 f). In
diesem vom Himmel verliehenen Schatz sieht die Kirche die kostbare Quelle und
die göttliche Norm für ihre Glaubens- und Sittenlehre. Kein Wunder also, dass
sie ihn, den sie aus den Händen der Apostel unversehrt empfing, mit aller
Sorgfalt bewahrt, vor jeder falschen und unrechten Erklärung geschützt und in
der Arbeit am übernatürlichen Heil der Seelen eifrig benutzt hat, wie fast
unzählige Zeugnisse aller Jahrhunderte einleuchtend dartun. Als in unserer Zeit
der göttliche Ursprung der heiligen Bücher und ihre richtige Erklärung in hohem
Maße gefährdet waren, übernahm sie deren Schutz und Verteidigung mit noch
größerer Hingabe und Sorgfalt. So erklärte der heilige Kirchenrat von Trient in
einem feierlichen Beschluß, die biblischen Bücher seien „ganz, mit allen ihren
Teilen, als heilig und zum Kanon gehörig“ anzusehen, so „wie man sie in der
katholischen Kirche zu lesen pflegt und die alte allgemein verbreitete
lateinische Übersetzung (Vulgata) sie enthält“[1]. Um
falsche Lehren über die Inspiration zu verurteilen, hat dann in unseren Tagen
das Vatikanische Konzil erklärt, diese biblischen Bücher seien als heilig und zum
Kanon gehörig anzusehen „nicht deshalb, weil sie, in rein menschlicher
Tätigkeit verfasst, hernach durch ihre, der Kirche, Autorität anerkannt worden
seien; auch nicht bloß deshalb, weil sie die Offenbarung ohne Irrtum enthalten, sondern deshalb,
weil sie unter Eingebung des Heiligen Geistes geschrieben, Gott zum Verfasser
haben und als solche ihr, der Kirche, übergeben worden seien“[2].
2 Durch diese feierliche Erklärung der katholischen
Lehre wurde „den ganzen Büchern mit allen ihren Teilen“ eine göttliche
Autorität zuerkannt, die Irrtümer
jeder Art ausschließt. Doch im Widerspruch hierzu unterfingen sich in der
Folgezeit einige katholische Schriftsteller, die Wahrheit der Heiligen Schrift
auf die bloßen Glaubens- und Sittenfragen einzuschränken, während sie für den
ganzen übrigen Inhalt der Bücher, sei er naturwissenschaftlicher oder
geschichtlicher Natur, als nur „nebenbei gesagt“, die Verbindung mit der
Glaubenslehre leugneten. Diese Irrtümer hat Unser Vorgänger unvergesslichen
Andenkens, Leo XIII., durch das Rundschreiben Providentissimus Deus vom 18.
November 1893 mit Fug und Recht verurteilt und zugleich das Studium der
Heiligen Bücher durch weise Vorschriften und Richtlinien geregelt.
3 Den 50. Jahrestag der
Veröffentlichung dieses Rundschreibens, das als Grundgesetz der biblischen
Studien gilt, feierlich zu begehen, ist gewiß geziemend. Wir, die Wir von
Beginn Unseres Pontifikates an der heiligen Wissenschaft Unsere besondere Sorge
zugewandt haben[3],
glauben diesen Gedenktag nicht würdiger feiern zu können, als wenn Wir das, was
Unser Vorgänger weise angeordnet hat und was seine Nachfolger zur Bekräftigung
und zur Vervollkommnung seines Werkes beigetragen haben, auch Unserseits
bestätigen und einzuschärfen und gleichzeitig das bestimmen, was die Gegenwart
verlangt, um auf diese Weise alle Söhne der Kirche, die sich diesen Studien
widmen, zu einer so notwendigen und löblichen Arbeit mehr und mehr anzuspornen.
1. Die letzten Päpste und die Heilige
Schrift.
1. Die Sorge für die biblischen Studien
4 Die erste und vornehmlichste Sorge Leos XIII. war
es, die Lehre von der Wahrheit der heiligen Bücher darzulegen und gegen
Einwände zu verteidigen. Mit ernsten Worten erklärte er daher, dass keinerlei Irrtum vorliege, wenn sich der
biblische Schriftsteller, wie der engelgleiche Lehrer sagt[4], beim
Reden über Naturvorgänge „an das hält, was von den Sinnen wahrgenommen wird“,
und in „einer Art bildlicher Rede spricht oder so, wie der gewöhnliche Brauch
es damals mit sich brachte und das alltägliche Leben auch heute noch in vielen
Dingen es mit sich bringt, auch bei ganz gebildeten Leuten“. „Die biblischen
Schriftsteller, oder besser der Heilige Geist, Der durch sie sprach, wollten
ja, wie der heilige Augustin sagt[5], die
Menschen nicht über das innerste Wesen der sinnenfälligen Dinge belehren, was
für das Seelenheil von keinem Nutzen gewesen wäre.“[6] Diesen Grundsatz „übertrage man
nützlicherweise auch auf die verwandten Wissensgebiete, besonders auf die
Geschichte, d.h. „in ganz ähnlicher Weise widerlege man die falschen
Behauptungen der Gegner“ und „verteidige die geschichtliche Glaubwürdigkeit der
heiligen Schrift gegen deren Angriffe“[7].
Ebensowenig dürfe man es dem biblischen Schriftsteller als Irrtum anrechnen, wenn von den
Schreibern „beim Abschreiben der Handschriften etwas weniger richtig
wiedergegeben worden sei“, oder „wenn der eigentliche Sinn einer Stelle zweifelhaft
bleibe“. Endlich sei es ganz unzulässig, die „Inspiration bloß auf einige Teile
der Heiligen Schrift zu beschränken oder zuzugeben, der heilige Schriftsteller
selbst habe geirrt“, denn „die göttliche Inspiration schließt nicht nur jeden Irrtum aus, sondern die Verwerfung
und der Ausschluß der Irrtums
sind ihr so wesentlich notwendig, wie es wesentlich notwendig ist, dass Gott,
die höchste Wahrheit, nicht der Urheber eines Irrtum ist. Das ist der alte und beständige Glaube der Kirche“[8].
Über den Schatz der Heiligen
Schrift
5 Diese Lehre, die Unser Vorgänger Leo XIII. mit so
gewichtigem Ernst dargelegt hat, legen auch Wir kraft Unserer Autorität vor und
dringen darauf, dass sie von allen gewissenhaft festgehalten wird. Wir
bestimmen ferner, dass den Mahnungen und Anregungen, die Leo XIII. für seine
Zeit mit großer Weisheit beigefügt hat, auch heute ebenso eifrig Folge
geleistet wird. Die Vorurteile des allenthalben verbreiteten Rationalismus, besonders aber die
Schriftdenkmäler des Altertums, die überall im Orient ausgegraben und erforscht
wurden, brachten nämlich neue,, nicht geringe Schwierigkeiten mit sich. Um nun
die herrliche Quelle der Offenbarung zum Besten der Herde des Herrn sicherer
und reicherer fließen, vor allem aber, um sie in keiner Weise antasten zu
lassen, wünschte Unser Vorgänger aus gewissenhafter Sorge für sein
apostolisches Amt dringend, „es sollten eine größere Zahl Gelehrter den Schutz
der Heiligen Schrift in gehöriger Weise übernehmen und dauernd leisten; vor
allem aber sollten diejenigen, die Gottes Gnade zum Priesterstand berufen habe,
Tag für Tag, wie es recht und billig sei, mehr Sorge und Fleiß darauf
verwenden, die heiligen Bücher zu lesen, zu betrachten und zu erklären“[9].
Bibelschule in Jerusalem.
Die Bibelkommission
6 Aus diesen Erwägungen heraus hatte der
Papst schon früher die Schule für die biblischen Schulen gelobt und
gutgeheißen, die der Generalobere des Dominikanerordens an der St.
Stephans-Kirche in Jerusalem gegründet hatte; „durch sie“, so äußerte er sich,
„hat die Bibelwissenschaft schon beträchtliche Förderung erfahren und erhofft
deren noch größere“[10].
Aus dem gleichen Grund fügte er in seinem letzten Lebensjahre noch eine andere
Maßnahme hinzu, wodurch diese im Rundschreiben „Providentissimus Deus“ so
angelegentlich empfohlenen Studien immer mehr vervollkommnet und möglichst
sicher gefördert werden sollten: durch das Apostolische Schreiben „Vigilantiae“
vom 30. Oktober 1902 setzte er einen aus bedeutenden Gelehrten bestehenden
Ausschuß, eine sogenannte Kommission, ein, „deren Aufgabe es sein sollte, mit
allen Mitteln dafür wirksam zu sorgen, dass der Heiligen Schrift überall bei
den Katholiken die von den Zeitverhältnissen geforderte sorgfältige Behandlung
zuteil werde und von ihr nicht nur jeder Hauch des Irrtums, sondern auch jegliche allzu freie Ansicht ferngehalten
werde“[11].
Diesen Ausschuß haben auch wir, nach dem Beispiel unserer Vorgänger, durch die
Tat bestätigt und gefördert und uns, wie es früher öfters geschehen ist, seiner
bedient, um den Erklärern der Heiligen Bücher die heilsamen Regeln der
katholischen Exegese ins Gedächtnis zu rufen, die die heiligen Väter, die
Kirchenlehrer und die Päpste überliefert haben[12].
Pius X.: Die
akademischen Grade,
Studienordnung für die
Seminarien. Päpstliches Bibelinstitut
7 An dieser Stelle scheint es nicht
unangebracht zu sein, dankbar in Erinnerung zu bringen, was unsere Vorgänger in
der Folgezeit an besonders nützlichen Maßnahmen zum gleichen Zweck beigetragen
haben, Maßnahmen, die man Ergänzungen oder Früchte der glücklichen Initiative
Leos XIII. nennen könnte. Pius’ X. Absicht war es, „ein wirksames Mittel zu
schaffen, wodurch eine reiche Zahl von Lehrern bereitgestellt würde, die mit
anerkannter, ernster und gründlicher Gelehrsamkeit in den katholischen Schulen
die Heilige Schrift erklären“. Daher schuf er „die akademischen Grade des
Lizentiates und des Doktorates in der Bibelwissenschaft, die von der
Bibelkommission erteilt werden sollten“[13].
Weiterhin wollte er erreichen, dass die künftigen Priester nicht nur selbst
über eine genaue Kenntnis der Bedeutung, der Eigenart und der Lehre der Bibel
verfügten, sondern dass sie den Dienst des Wortes Gottes auch richtig und
geschickt versehen und die von Gott inspirierten Bücher gegen die Einwürfe
verteidigen könnten. Daher erließ er eine Bestimmung über die in den
Klerikalseminarien zu beobachtende Studienordnung für die biblischen Fächer[14].
Endlich wollt er, „dass in der Stadt Rom ein Mittelpunkt des höheren
Bibelstudiums bestehe, um in möglichst wirksamer Weise die Bibelwissenschaft
und die zu dieser gehörigen Studien nach dem Geiste der Katholischen Kirche zu
fördern“. So gründete er das Päpstliche Bibelinstitut, das er der Sorge der
Gesellschaft Jesu anvertraute und „mit Lehrkanzeln für die höheren Fächer und
mit allen Hilfsmitteln der biblischen Ausbildung ausgestattet“ wissen wollte,
und gab dafür die Anordnungen und Vorschriften, eine Gründung, bei der er,
seinen eigenen Worten gemäß, einen heilsamen und fruchtbaren Gedanken Leos
XIII. zur Ausführung brachte.[15]
Pius XI.: Verpflichtung
zur Erwerbung der akademischen Grade
8 Alle diese Maßnahmen und Einrichtungen
vervollkommnete dann Unser unmittelbarer Vorgänger Pius XI. seligen Gedenkens.
So bestimmte er unter anderem, es dürfe „niemand in den Seminarien die
biblischen Fächer vortragen, wenn er nicht besondere Studien in diesem Fach
gemacht und bei der Bibelkommission oder dem Bibelinstitut rechtmäßig die
akademischen Grade erworben“ hätte. Diese Grade sollten die gleichen Rechte und
Wirkungen haben, wie die rechtmäßig erworbenen Grade in der Theologie oder im
Kirchenrecht. Ebenso ordnete er an, es dürfe keinem ein Benefizium verliehen
werden, das kirchenrechtlich die Verpflichtung mit sich bringe, dem Volk die
Heilige Schrift zu erklären, wenn er nicht, außer den übrigen Erfordernissen,
das Lizentiat oder das Doktorrat in der Bibelwissenschaft besitze. Gleichzeitig
ermahnt er die Generaloberen der Orden und religiösen Genossenschaften und
ebenso die Bischöfe der ganzen katholischen Welt, die Fähigsten ihrer Alumnen
zum Besuch der Vorlesungen und zur Erwerbung der akademischen Grade an das
Päpstliche Bibelinstitut zu schicken. Diese Aufforderung bekräftigte er durch
sein eigenes Beispiel und stiftete freigebig zu diesem Zweck einen jährlichen Beitrag[16].
Die Abtei vom heiligen
Hieronymus für die Revision der Vulgata
9 Unter Billigung und Gutheißung Pius´X.
war im Jahre 1907 „den Benediktinern der Auftrag erteilt worden, Forschungen
und Studien zu unternehmen, auf die sich einen Neuausgabe der lateinischen
Bibelübersetzung, der sogenannten Vulgata, stützen könne“[17].
Dieses „arbeitsvolle und schwierige Unternehmen“, das viel Zeit und große
Kosten verlangt, hatte inzwischen seinen großen Nutzen erwiesen durch die
ausgezeichneten Bände, die bereits erschienen waren. Um es nun sicher und fest
zu begründen, errichtete Pius XI. in Rom das Kloster des heiligen Hieronymus,
das sich dieser Arbeit ausschließlich widmen soll, und stattete es reichlich
mit einer Bibliothek und mit anderen Forschungsmitteln aus[18].
2. Sorge für den Gebrauch der Heiligen Schrift
Pius X.: Schriftlesung
Benedikt
XV.: Biblische Predigt. Tägliche Schriftlesung
10 An dieser Stelle darf auch nicht
übergangen werden, wie eindringlich Unsere Vorgänger bei gegebener Gelegenheit
das Studium, die Predigt, die fromme Lesung und Betrachtung der Heiligen
Schrift empfohlen haben. So hat Pius X. den Verein des heiligen Hieronymus
besonders gebilligt, der unter den Gläubigen die lobenswerte Gewohnheit zu
fördern sucht, die heiligen Evangelien zu lesen und zu betrachten und diese
Übung tunlichst erleichtern möchte. Er ermunterte zu eifriger Beständigkeit in
diesem Unternehmen, das er eine „überaus nützliche, höchst zeitgemäße Gründung“
nannte, „die nicht wenig beitrage zur Beseitigung der Ansicht, al ob die Kirche
einen Gegnerin der Lesung der Heiligen Schrift in der Muttersprache sei oder
diese irgendwie behindere“[19].
Benedikt XV. schärfte gelegentlich des 1500. Jahrestages des Todes des heiligen
Hieronymus, des großen Meisters der Schrifterklärung, die Weisungen und das
Beispiel dieses Lehrers, ebenso wie die von Leo XIII. und von ihm
selbstaufgestellten Grundsätze und Regeln angelegentlichst ein, gab andere auf
diesem Gebiet äußerst zeitgemäße Anregungen, die nie in Vergessenheit geraten
dürften, und ermahnte „alle Söhne der Kirche, besonders den Klerus, zur
Ehrfurcht vor der Heiligen Schrift, verbunden mit frommer Lesung und
beständiger Betrachtung“. „In diesen Blättern ist“, so führte er aus, „die
Speise zu suchen, die das geistliche Leben zur Vollkommenheit nährt“, und
weiterhin: „ihre hauptsächlichste Verwendung findet die heilige Schrift die
Heilige Schrift, wo es sich darum handelt, das Predigtamt treu und erfolgreich
zu verwalten“. Aufs neue belobte er die Wirksamkeit des Vereins vom heiligen
Hieronymus, der für möglichst weite Verbreitung der Evangelien und der
Apostelgeschichte Sorge trage, „so dass es bereits keine christliche Familie
mehr gebe, die sie nicht besäße, und alle sich an deren tägliche Lesung und
Betrachtung gewöhnten“[20].
11 Es ist geziemend und angenehm, es
auszusprechen, dass so die Bibelwissenschaft und der Gebrauch der Bibel unter
den Katholiken große Fortschritte gemacht haben. Der Grund dafür liegt jedoch
nicht bloß in den Einrichtungen, Anordnungen und Ermunterungen Unserer
Vorgänger, sondern auch in den Arbeiten und Bemühungen aller derer, die ihnen
treu Folge geleistet haben, sei es durch Betrachtung, Forschung und
schriftstellerische Tätigkeit, sei es durch Belehrung, Predigt, Übersetzung und
Verbreitung der Heiligen Schrift. Aus den Schulen, in denen die höheren Fächer
der Theologie und Bibelwissenschaft gelehrt werden, und besonders aus Unserem
päpstlichen Bibelinstitut, sind bereits viele Verehrer der Heiligen Schrift
hervorgegangen und gehen täglich weitere hervor, die in feuriger Liebe zu den
heiligen Büchern den jungen Klerus mit gleicher Liebe erfüllen und ihm das
Wissen, das sie selbst erworben haben, mit hingebendem Eifer vermitteln. Nicht
weniger von ihnen haben die Bibelwissenschaft auch durch Veröffentlichungen
vielseitig gefördert und fördern sie, mögen sie die Bibeltexte nach
Textkritischen Grundsätzen herausgeben, sie erklären, beleuchten, in moderne
Sprachen übersetzen oder die Heilige Schrift den Gläubigen zu frommer Lesung
und Betrachtung darbieten oder endlich profane Fächer, die für die Erklärung
der Heiligen Schriftförderlich sind, pflegen und nutzbar machen. Diese und
andere Unternehmungen, die sich stets weiter verbreiten und wachsen, wie
Bibelvereine, Kongresse, biblische Wochen, biblische Büchereien, Vereine zur
Betrachtung der Evangelien, geben uns die sichere Hoffnung, dass auch in
Zukunft die Verehrung, der Gebrauch und die Kenntnis der Heiligen Schrift
allüberall zum Heil der Seelen mehr und mehr zunehmen werden, wenn nur alle das
von Leo XIII. vorgeschriebene, von seinen Nachfolgern eingehender und vollkommener erklärte, von
Uns bestätigte und geförderte Programm des Bibelstudiums – das einzig sichere
und durch die Erfahrung bewährte – entschieden, eifrig und vertrauensvoll
festhalten, ohne sich irgendwie hindern zu lassen durch die Schwierigkeiten,
die, wie überall im menschlichen Leben, auch bei diesem herrlichen Werke
niemals fehlen werden.
Der augenblickliche Stand
der Bibelwissenschaften
12 Daß sich die Lage der biblischen
Wissenschaft und ihrer Hilfsfächer in den letzten fünfzig Jahren bedeutend
geändert hat, kann jedermann unschwer wahrnehmen. Als Unser Vorgänger das
Rundschreiben “Providentissimus Deus“ herausgab, war, um anderes zu übergeben,
kaum der eine oder andere Ort in Palästina durch wissenschaftliche
Ausgrabungsarbeit erforscht. Heute dagegen sind derartige Forschungen viel
zahlreicher geworden und liefern uns, dank der strengeren Methode und der durch
Erfahrung vervollkommneten Technik, viel reichere und gesicherter Ergebnisse,
Wieviel Licht aus diesen Unternehmungen für eine richtigere und vollkommenere
Erklärung der biblischen Bücher gewonnen wird, weiß jeder Fachmann, wissen
alle, die diese Studien pflegen. Die Wichtigkeit dieser Forschungen wird noch
erhöht durch die vielfache Auffindung von Schriftdenkmälern, die zur Kenntnis
ältester Sprachen, Literaturen, Ereignisse, Sitten und Formen der
Gottesverehrung wesentlich beitragen. Von nicht geringerer Bedeutung ist heute
die so häufige Entdeckung und Untersuchung von Papyri, die die Kenntnis der
Literatur und der Einrichtungen des öffentlichen und privaten Lebens, besonders
der Zeit unseres Heilandes, erfolgreich gefördert haben. Fernerhin hat man alte
Handschriften der heiligen Bücher aufgefunden und sorgfältig veröffentlicht;
die Schrifterklärung der Kirchenväter ist allgemeiner und gründlicher
untersucht worden; die Sprechweise, Erzählungsart und Schreibweise der Alten lässt
sich durch ungezählte Beispiele beleuchten.
Neue Aufgaben für Erklärer
und Priester
13 Alle diese Ergebnisse, die unserer Zeit,
nicht ohne besondere Absicht der göttlichen Vorsehung, erzielt hat, laden sozusagen
Erklärer der Heiligen Schrift ein und mahnen sie, dieses strahlende, uns zuteil
gewordene Licht freudig zu benutzen, um Gottes Wort tiefer zu durchforschen,
heller zu beleuchten und klarer vorzulegen. Wenn wir, zu Unserem großen Troste,
sehen, daß die Exegeten dieser Einladung schon eifrig entsprochen haben, so ist
das sicherlich nicht die letzte und geringste Frucht des Rundschreibens
„Providentissimus Deus“ Unseres Vorgängers Leos XIII. er hat, dieses neue
Aufblühen der Bibelwissenschaft gewissermaßen vorausahnend, die katholischen
Exegeten zur Arbeit gerufen und ihnen in Weisheit die Arbeitsmethode
vorgezeichnet. Daß die Arbeit nicht nur unverdrossen fortgehe, sondern immer
vollkommener und fruchtbarer werde, das ist auch das Ziel dieses Unseres
Rundschreibens: Wir wollen allen zeigen, was noch zu tun übrig bleibt und in
welchem Geiste die katholischen Exegeten heute an ihr großes und erhabenes Amt
gehen sollen, und Wir möchten den Arbeitern, die eifrig im Weinberg des Herrn
tätig sind, neue Begeisterung und neuen Mut zu geben.
Studium der biblischen
Sprachen
14 Dem katholischen Exegeten, der sich mit
dem Verständnis und der Erklärung der Heiligen Schrift befasst, haben schon die
Kirchenväter, besonders Augustinus, das Studium der alten Sprachen und die
Heranziehung der Urtexte ans Herz gelegt[21].
So wie aber damals die wissenschaftlichen Verhältnisse lagen, kannten die
hebräische Sprache nur wenige, und auch sie nur unvollkommen. Im Mittelalter,
als die scholastische Theologie in hoher Blüte stand, hatte seit langem auch
die Kenntnis des Griechischen im Abendland so abgenommen, dass selbst die
großen Lehrer der damaligen Zeit für die Erklärung der Heiligen Bücher
ausschließlich auf die lateinische Übersetzung, die sogenannte Vulgata,
angewiesen waren. In unseren Tagen hingegen ist nicht nur das Griechische, das
seit der Zeit der humanistischen Renaissance zu neuem Leben erstanden ist, fast
allen Kennern des Altertums und der Literatur vertraut, sondern auch die
Kenntnis des Hebräischen und anderer orientalischer Sprachen ist unter den
Gelehrten weit verbreitet. Ferner steht zur Erlernung dieser Sprachen heute
eine solche Menge von Hilfsmitteln zur Verfügung, dass der Bibelerklärer dem Vorwurf
der Leichtfertigkeit und Fahrlässigkeit nicht entgehen könnte, wenn er sich
durch Vernachlässigung des Sprachenstudiums den Weg zu den Urtexten
verschlösse.
Autorität des Urtextes
15 Ist es doch Pflicht des Exegeten, auch
das Kleinste, das unter der Eingebung des Heiligen Geistes aus der Feder des
heiligen Schriftstellers geflossen ist, mit größter Sorgfalt und Ehrfurcht
aufzugreifen, um dessen Gedanken möglichst tief und vollständig zu erfassen.
Daher soll er gewissenhaft daran arbeiten, sich eine immer größere Kenntnis der
biblischen und auch anderen orientalischen Sprachen anzueignen, und seine
Schriftauslegung durch alle die Hilfsmittel führen, die die verschiedenen
Zweige der Philologie bieten. Das wollte seinerzeit der heilige Hieronymus mit
Sorgfalt leisten, soweit der damalige Stand der Sprachenkunde es erlaubte; das
erstrebten auch mit unermüdlichem Eifer und mit nicht geringem Erfolg nicht
wenige der großen Exegeten des 16. und 17. Jahrhunderts, obwohl damals die
Kenntnis der Sprachen noch viel geringer war als heute. Nach den gleichen
Grundsätzen muß man darum den Urtext erklären: vom heiligen Schriftsteller
selbst geschrieben, hat er höhere Autorität und größeres Gewicht als jede, sei
es auch die beste, Überlieferung aus alter oder neuer Zeit. Diese Aufgabe lässt
sich um so leichter und erfolgreicher leisten, wenn der Exeget mit der
Sprachenkenntnis auch einen gründliche Schulung in der Textkritik verbindet.
Wichtigkeit der Textkritik
16 Wieviel Bedeutung der Textkritik
beizumessen ist, sagt zutreffend schon Augustinus,
der unter den
Regeln, die er für das Bibelstudium aufstellt, an erster Stelle die Sorge für
einen kritisch richtigen Text erwähnt. „Der Verbesserung der Handschriften“,
sagt der berühmte Kirchenlehrer, „muß die wachsame Sorge derer, die die Heilige
Schrift kennen wollen, in erster Linie gelten: hinter den verbesserten
Handschriften müssen die unverbesserten zurücktreten“[22].
Diese Wissenschaft der Textkritik, die bei der Herausgabe von Profanschriften
anerkennenswert und erfolgreich angewandt wird, betätigt sich heute mit Fug und
Recht auch an den heiligen Büchern, gerade wegen der Ehrfurcht, die wir dem
Worte Gottes schulden. Ihre Aufgabe ist es ja, den heiligen Text, soweit
möglich, in vollkommenster Weise wiederherzustellen, ihn von den Verderbnissen,
die aus der Unzuverlässigkeit der Abschreiber stammen, zu reinigen und ihn
tunlichst zu befreien von Zusätzen und Lücken, von Umstellungen und
Wiederholungen und von anderen derartigen Fehlern, die sich bei jahrhundertlanger
Überlieferung in die Schriftwerke einzuschleichen pflegen. Die Textkritik, die
manche Gelehrte vor einigen Jahrzehnten noch ganz willkürlich angewandt haben,
nicht selten so, dass man hätte meinen können, sie täten es, um ihre
vorgefaßten Ansichten in den heiligen Text hineinzutragen, hat heute – es ist
kaum nötig, dies zu bemerken – eine derartige Festigkeit und Sicherheit in
ihren Regeln erreicht, dass sie ein treffliches Werkzeug geworden ist, um die
Heilige Schrift reiner und genauer herauszugeben, und dass sich anderseits
jeder Mißbrauch leicht feststellen lässt.
Textkritische Ausgaben
17 Es braucht hier auch nicht daran
erinnert zu werden – allen, die sich mit dem Studium der Heiligen Schrift
befassen, ist es ja bekannt und geläufig-, wie hoch die Kirche von Anfang an
bis heute die textkritischen Studien gehalten hat. Heute, nach dieses Fach zu
so hoher Vollkommenheit gelangt ist, ist es daher für die Vertreter der
Bibelwissenschaft eine ehrenvolle, wenn auch nicht immer leichte Pflicht, mit
allen Mitteln dafür zu sorgen, dass katholischerseits möglichst bald kritische
Ausgaben sowohl der biblischen Bücher als auch der alten Übersetzungen
hergestellt werden, die mit vollster Ehrfurcht gegen den heiligen Text eine
gewissenhafte Beobachtung aller kritischen Regeln verbinden. Diese langwierige
Arbeit ist nicht nur notwendig, um die aus göttlicher Eingebung stammenden
Heiligen Schriften richtig zu verstehen; sie ist auch – dies mögen alle wissen
– eine gebieterische Forderung der Dankbarkeit, die wir Gottes Vorsehung dafür
schulden, seiner Herrlichkeit gesandt hat.
Vulgata, Sinn des Dekretes
des Konzils von Trient
18 In der angedeuteten Verwendung des
kritisch bearbeiteten Urtextes soll niemand einen Verstoß gegen die weisen
Vorschriften des Konzils von Trient über die lateinische Vulgata sehen[23].
Denn, wie aus den Geschichtsquellen feststeht, erhielten die Konzilspräsidenten
den Auftrag, im Namen des heiligen Konzils den Papst zu bitten – wie sie es
auch wirklich taten -, es möchte zunächst ein nach Möglichkeit verbesserter
lateinischer, dann aber auch ein griechischer und ein hebräischer Text der
heiligen Schrift hergestellt[24]
und seinerzeit zum Nutzen der Heiligen Kirche Gottes herausgegeben werden. Wenn
diesem Wunsch damals wegen der schwierigen Zeitverhältnisse und sonstiger
Hindernisse nicht voll entsprochen werden konnte, so wird er sich heute, so
hoffen Wir zuversichtlich, durch die Zusammenarbeit der katholischen Gelehrten
um so vollkommener und weitgehender erfüllen lassen. Wenn das Trienter Konzil
wollte, dass die Vulgata diejenige lateinische Übersetzung sei, „die alle als
authentische gebrauchen“, so gilt diese Bestimmung, wie jedermann weiß, nur für
die lateinische Kirche, und zwar für den offiziellen Gebrauch der Heiligen
Schrift; die Autorität und Bedeutung der Urtexte mindert sie, das steht außer
Zweifel, in keiner Weise. Es handelte sich damals ja nicht um die Urtexte,
sondern um die in jener Zeit umlaufenden lateinischen Übersetzungen; unter
diesen, so ordnete das Konzil mit Recht an, sollte sie den Vorzug besitzen, die
„durch viele Jahrhunderte langen Gebrauch in der Kirche selbst bewährt ist“.
Neue Übersetzungen
19 Diese überragende Autorität der Vulgata,
ihre sogenannte Authentizität, ist also vom Konzil nicht in erster Linie aus kritischen
Gründen behauptet worden, sondern wegen der rechtmäßigen, viele Jahrhunderte
dauernde Verwendung in den Kirchen. Diese Verwendung beweist, wie die Kirche
sie verstanden hat und versteht, in Glaubens- und Sittenfragen frei ist von
jedem Irrtum, so dass sie, wie
die Kirche selbst bezeugt und bestätigt, in Disputationen, Vorlesungen und
Predigten sicher und ohne Gefahr eines Irrtums
verwendet werden kann. Diese Authentizität ist also nicht in erster Linie eine
kritische, sondern vielmehr eine juridische zu nennen. Daher verbietet die
Autorität der Vulgata in Fragen der kirchlichen Lehre keineswegs, eben diese
Lehre auch aus den Urtexten zu beweisen und zu bestätigen, ja, sie erfordert es
beinahe; ebenso wenig verwehrt sie, allenthalben die Urtexte zu Hilfe zu
nehmen, um den richtigen Sinn der Heiligen Schrift überall mehr und mehr zu
finden und zu erklären. Das Dekret des Trienter Konzils verbietet auch nicht,
zum Gebrauch und Nutzen der Gläubigen und zum leichteren Verständnis des Wortes
Gottes Übersetzungen in der Muttersprache anzufertigen, auch aus den Urtexten,
wie es, mit Billigung der kirchlichen Autorität, schon vielerseits, wie Wir
wissen, löblicherweise geschehen ist.
2. Die Erklärung der Heiligen Schrift
Der buchstäbliche Sinn
20 Mit der Kenntnis der alten Sprachen und
mit den Hilfsmitteln der Textkritik trefflich gerüstet, soll der katholische
Exeget an die Aufgabe herangehen, die von allem ihm gestellten die höchste ist,
an die Auffindung und Erklärung des wahren Sinnes der heiligen Bücher. Dabei
mögen die Schrifterklärer sich gegenwärtig halten, dass es ihre erste und
angelegentliche Sorge sein muß, klar zu erkennen uns zu bestimmen, welches der
Literalsinn der biblischen Worte ist. Diesen Literalsinn der Worte sollen sie
mit aller Sorgfalt durch die Kenntnis der Sprachen ermitteln, unter
Zuhilfenahme des Zusammenhangs und des Vergleichs mit ähnlichen Stellen –
Hilfsmittel, die man alle auch bei der Erklärung profaner Schriften
heranzuziehen pflegt, damit der Gedanke des Schriftstellers klar zum Ausdruck
kommt.
Der theologische
Lehrgehalt
21 Die Erklärer der Heiligen Schrift mögen
sich aber daran erinnern, dass es sich hier um das inspirierte Gotteswort
handelt, das Gott selbst der Kirche zur Hut und zur Erklärung anvertraut hat,
und deshalb mit nicht weniger Sorgfalt den Erklärungen und Bestimmungen des
kirchlichen Lehramts Rechnung tragen, sowie auch den Auslegungen der heiligen
Väter und der „Analogie des Glaubens“, wie Leo XIII. in seinem Rundschreiben
„Providentissimus Deus“ weise bemerkt hat[25].
Mit besonderem Eifer aber sollen sie darauf bedacht sein, dass sie nicht bloß –
wie es zu Unserem Bedauern in einigen Kommentatoren der Fall ist – die Dinge
erläutern, die der Geschichte, Archäologie, Philologie und anderen derartigen
Wissenschaften angehören. Gewiß sollen sie derartiges, soweit es der Exegese
nützlich ist, in zweckdienlicher Weise vorbringen; aber vor allem müssen sie
zeigen, welches der theologische Lehrgehalt der einzelnen Bücher und Texte in
Glaubens- und Sittenfragen ist. Dadurch soll ihre Schrifterklärung nicht bloß
den Theologen bei der Darlegung und dem Beweis der Glaubenslehren von Nutzen
sein, sondern ebenso den Priestern bei der Verkündigung der christlichen Lehre
vor dem Volke dienen und schließlich allen Gläubigen dazu behilflich sein, ein
heiliges, eines CHRISTEN würdiges Leben zu führen.
Fruchtbarkeit einer
solchen Erklärung
22 Wenn die katholischen Exegeten eine
derartige Schriftauslegung geben, die, wie gesagt, vor allem theologischer
Natur ist, werden sie die wirksam zum Schweigen bringen, die immer wieder
behaupten, sie fänden in den Bibelkommentaren kaum etwas, was den Geist zu Gott
erhebe, die Seele nähre und das innere Leben fördere, und darum geltend machen,
sie müssten ihre Zuflucht nehmen zu einer geistigen und, wie sie sagen,
mystischen Erklärung. Wie wenig diese Leute mit einer solchen Behauptung Recht
haben, zeigt gerade die Erfahrung der vielen, die, Gottes Wort immer wieder
erwägend und betrachtend, ihre Seele vervollkommnet und sich mit warmer Liebe
zu Gott erfüllt haben; das gleiche zeigen klar auch die beständigen Anweisungen
der Kirche und die Mahnungen der angesehensten Lehrer.
Der geistliche Sinn
23 Gewiß ist nicht jeder geistige Sinn aus
der Heiligen Schrift ausgeschlossen. Aussprüche und Geschehnisse des Alten
Testamentes hat Gott in Seiner Weisheit so angeordnet und eingerichtet, dass
das Vergangene geistigerweise das vorausbedeutete, was im Neuen Bund der Gnade
geschehen sollte. Wie darum der Exeget den Literalsinn der Worte, den der heilige
Schriftsteller beabsichtigte und ausdrückte, auffinden und erklären muß, so
auch den geistigen, sofern nur gebührend feststeht, dass Gott diesen Sinn
wirklich gewollt hat. Denn nur Gott konnte diesen geistigen Sinn kennen und uns
offenbaren. Diesen Sinn zeigt und lehrt uns in den Evangelien der göttliche
Heiland selbst; ihn verkünden auch, nach dem Beispiel des Meisters, die Apostel
in Wort und Schrift; ihn zeigt die ununterbrochene Überlieferung der Kirche;
ihn beweist endlich die uralte Verwendung in der Liturgie, wo immer das
bekannte Wort: „Das Gesetz des Betens ist das Gesetz des Glaubens“ in
berechtigter Weise angewandt werden kann.
Richtige Anwendung des
geistlichen Sinnes
24 Diesen geistigen Sinn also, den Gott selbst
gewollt und angeordnet hat, sollen die katholischen Exegeten mit der Sorgfalt
aufhellen und darlegen, die die Würde des Wortes Gottes fordert; andere
übertragene Bedeutungen dagegen als echten Sinn der Heiligen Schrift
vorzutragen, mögen sie sich gewissenhaft hüten. Gewiß kann, besonders bei der
Ausübung des Predigtamtes, ein weitgehender, mit übertragenen Wortbedeutungen
arbeitender Gebrauch des heiligen Textes
zur Erläuterung und Empfehlung der Glaubens- uns Sittenlehren dienlich
sein, wenn dabei nur das Maß und Ziel beobachtet werden, aber diese Verwendung
der Heiligen Schrift ist ihr, was man nie vergessen darf, gewissermaßen
äußerlich und zusätzlich und dazu, besonders heute, nicht ohne Gefahr; denn die
Gläubigen, vor allem, wenn sie in den heiligen und profanen Wissenschaften
gebildet sind, wollen wissen, was Gott selbst in der Heiligen Schrift uns
lehrt, nicht was ein beredter Prediger oder Schriftsteller mit geschickter
Verwendung biblischer Worte vorträgt. „Das lebendige Wort Gottes, wirksam und
schärfer als jedes zweischneidige Schwert, durchdringend, bis es Seele und
Geist, Mark und Bein scheidet, Richter über die Gedanken und die Gesinnungen
des Herzens (Hebr. 4,12), bedarf keineswegs der Künstelei oder der menschlichen
Zustutzung, um die Seele zu rühren und zu erschüttern. Die heiligen Bücher,
durch die Eingebung des göttlichen Geistes verfasst, sind aus sich selbst
überreich an echtem Sinn; mit göttlicher Kraft erfüllt, sind sie aus sich
selbst mächtig; mit himmlischer Schönheit geschmückt, leuchten und strahlen sie
aus sich selbst, wenn sie nur vom Schrifterklärer so richtig und genau
ausgelegt werden, dass alle Schätze der Weisheit und Einsicht, die sie
enthalten, zutage gefördert werden.
Studium der Väter und
großen Erklärer
25 Bei der Erfüllung dieser seiner Aufgabe
bietet dem katholischen Exegeten eine treffliche Hilfe das Studium der Werke,
in denen die heiligen Väter, die Lehrer der Kirche und die hervorragenden
Schrifterklärer der Vorzeit die heiligen Bücher erklärt haben. An profaner
Bildung und an Sprachenkenntnis kamen diese alten Schriftausleger bisweilen
unseren heutigen Exegeten zwar nicht gleich; aber kraft der Aufgabe, die Gott
ihnen in der Kirche gestellt hat, zeichnen sie sich aus durch gemütstiefe Schau
der himmlischen Dinge und durch wunderbare Geistesschärfe, wodurch sie weit
eindringen in die Tiefen des göttlichen Wortes und alles herausarbeiten, was
dazu dienen kann, Christi Lehre zu beleuchten und die Heiligkeit des Lebens zu
fördern. Es ist bedauerlich, dass diese kostbaren Schätze des christlichen
Altertums manchen unserer heutigen Schriftsteller zu wenig bekannt sind, und
dass die Vertreter der Geschichte der Exegese noch nicht alles geleistet haben,
was zur gehörigen Erforschung und rechten Einschätzung eines o wichtigen
Gebietes notwendig ist. Möchten sich doch recht viele Gelehrte finden, die die
Verfasser und die Werke der katholischen Schrifterklärung eifrig studieren, die
fst unermesslichen von ihnen gesammelten Schätze heben und so wirksam dazu
beitragen, dass mehr und mehr zutage tritt, wie tief die göttliche Lehre der
Heiligen Bücher durchschaut und wie herrlich sie diese erläutert haben, und
dass sich auch die heutigen Schriftausleger daran ein Beispiel nehmen und
nützlichen Stoff daraus schöpfen. Auf diese Weise wird schließlich eine
glückliche und fruchtbare Verbindung zustande kommen zwischen der Lehre und
geistlichen Salbung der Alten und der größeren Bildung und vollkommeneren
Methode der Neueren, eine Verbindung, die neue Früchte zeitigen wird auf dem
Feld der biblischen Bücher, das sich nie genug bearbeiten, nie vollständig
abernten lässt.
3. Neue Aufgaben der
Schrifterklärung
Neue Forschungen
26 Daß dabei auch unsere Zeit zur tieferen und
genaueren Auslegung der Heiligen Schrift etwas beitragen kann, lässt sich mit
vollem Recht hoffen. Denn nicht wenige Fragen, besonders auf geschichtlichem
Gebiet, sind von den Erklärern der früheren Jahrhunderte kaum oder nur
ungenügend erörtert: fehlten ihnen doch fast alle Kenntnisse, die zu einer
genaueren Behandlung solcher Gegenstände notwendig sind. Wie schwierig und
sozusagen unzugänglich gewisse Punkte selbst für die heiligen Väter waren,
zeigen, um anderes zu übergehen, die wiederholten Ansätze zur Erklärung der
ersten Kapitel der Genesis, die manche von ihnen machten, ebenso wie die
mehrmaligen Versuche des heiligen Hieronymus, die Psalmen so zu übersetzen,
dass deren Literalsinn oder Wortsinn klar zutage träte. Bei anderen biblischen
Büchern oder Stellen hat erst die Neuzeit die Schwierigkeiten wahrgenommen,
nachdem eine eindringendere Kenntnis des Altertums neue Fragen aufgeworfen
hatte, die einen tiefen Einblick in die Sachlage geben. Zu Unrecht behaupten
daher Leute, die die Lage der Bibelwissenschaft nicht genau kennen, dem
katholischen Exegeten unserer Tage bleibt nichts hinzuzufügen zu dem, was das
christliche Altertum geleistet habe; im Gegenteil, unsere Zeit hat gar vieles
vorgebracht, was einer neuen Untersuchung und einer neuen Prüfung bedarf und
den heutigen Exegeten nicht wenig zu eifrigem Studium anspornt.
Die Eigenart des
Schriftstellers
27 Wenn indes unsere Zeit neue Fragen
aufwirft und neue Schwierigkeiten bringt, so bietet sie, der Schriftauslegung
auch neue wertvolle Hilfsmittel. In dieser Hinsicht dürfte die Tatsache
besonders erwähnenswert sein, dass die katholischen Theologen im Anschluß an
die Lehre der heiligen Väter und vor allem des Engelgleichen und Allgemeinen
Lehrers, die Natur und die Wirkungen der biblischen Inspiration genauer und
vollkommener erforscht und vorgelegt haben, als es in den vergangenen
Jahrhunderten der Fall war. Sie gehen dabei von dem Gedanken aus, dass der
heilige Schriftsteller bei der Abfassung des biblischen Buches „Organ“ oder
Werkzeug des Heiligen Geistes ist, und zwar ein beseeltes und vernünftiges
Werkzeug, und schließen daraus mit Recht, dass unter dem göttlichen Einfluß
seine Kräfte und Fähigkeiten so anwendet, „dass man au der durch seine Arbeit
entstandenen Schrift mit Leichtigkeit die Eigenart und sozusagen die
charakteristischen Merkmale und Züge des menschlichen Schriftstellers“[26]
leicht erkennen kann. Der Exeget muß daher mit aller Sorgfalt, ohne eine
Erkenntnis zu vernachlässigen, die die neuere Forschung gebracht hat,
festzustellen suchen, welches die Eigenart und Lebenslage des biblischen
Schriftstellers war, in welcher Zeit er lebte, welche mündlichen und
schriftlichen Quellen er benutzte, welcher Redegattung er sich bediente. Auf
diese Weise wird er vollkommener erkennen, wer der biblische Schriftsteller war
und was er mit seinem Werke beabsichtigte. Es kann ja keinem entgehen, dass die
wichtigste Regel für die Auslegung die ist, dass man genau bestimme, was der
Schriftsteller zu sagen beabsichtigte. So mahnt schon der heilige Athanasius:
„Hier muß man, wie es an allen anderen Stellen der Heiligen Schrift zu
geschehen hat, darauf achten, aus welchem Anlaß der Apostel redet; man muß
genau und gewissenhaft beachten, wer der Verfasser ist und welches die Sache,
derentwegen er geschrieben hat, damit man nicht aus Unwissenheit oder
Missverständnis vom richtigen Sinn abweicht.“[27]
Die literarische Art der
Zeit und des Landes
28 Der Literalsinn einer Stelle liegt indes
bei den Worten und Schriften altorientalischer Autoren oft nicht so klar zutage,
wie bei unseren heutigen Schriftstellern. Was die alten Orientalen mit ihren
Worten ausdrücken wollten, lässt sich nicht durch die bloßen Regeln der
Grammatik und Philologie oder allein aus dem Zusammenhang bestimmen; der Exeget
muß sozusagen im Geiste zurückkehren in jenen fernen Jahrhunderte des Orients
und mit Hilfe der Geschichte, der Archäologie, der Ethnologie und anderer
Wissenschaften genau bestimmen, welche literarischen Arten die Schriftsteller
jener alten Zeit anwenden wollten und in Wirklichkeit anwandten. Die alten
Orientalen bedienen sich nämlich zum Ausdruck ihrer Gedanken nicht immer der
gleichen Formen und Sprechweisen wie wir, sondern vielmehr derjenigen, die bei
den Menschen ihrer Zeit und ihres Landes üblich waren. Welches diese Redeformen
waren, kann der Exeget nicht „a priori“ feststellen, sondern nur mit Hilfe
einer sorgfältigen Durchforschung der altorientalischen Literatur. Diese
Durchforschung nun, die in den letzten Jahrzehnten mit größerer Sorgfalt und
Aufmerksamkeit gemacht worden ist als früher, hat klarer gezeigt, welche
Redegattungen in der alten Zeit für die dichterische Schilderung, für die
Darstellung der Regeln und Gesetze des Lebens sowie für die Erzählung
geschichtlicher Tatsachen und Ereignisse verwendet wurden. Diese Durchforschung
hat gleicherweise klar erwiesen, dass das israelitische Volk in der
Geschichtsschreibung die anderen alten Völker des Orients bedeutend übertrifft
hinsichtlich des Alters der Berichte, wie auch durch die Treue in der
Wiedergabe der Tatsachen, ein Vorzug, der sicherlich seinen Ursprung hat im
Charisma des göttlichen Inspiration und in der besonderen religiösen
Zielsetzung der biblischen Geschichtsdarstellung.
Das Wort Gottes auf
menschlicher Zunge
29 Wer einen richtigen Begriff von der
biblischen Inspiration hat, wird sich nicht wundern, dass trotzdem auch bei den
biblischen Schriftstellern, wie bei den anderen alten Autoren, gewisse Formen
der Darstellung und Erzählung vorkommen, gewisse Eigenheiten, die besonders den
semitischen Sprachen angehören, Darstellungen, die man „angenähert“ nennen
könnte, gewisse hyperbolische Redeweisen, ja bisweilen paradoxe Ausdrücke, die
dazu dienen, die Dinge dem Geiste besser einzuprägen. Ist ja doch den heiligen
Büchern keine jener Redeformen fremd, deren sich die menschliche Sprache bei
den Alten, besonders im Orient, zum Ausdruck der Gedanken zu bedienen pflegte,
allerdings unter der Bedingung, dass die angewandte Redegattungen keiner Weise
der Heiligkeit und Wahrhaftigkeit Gottes widerspricht. So sagt schon,
scharfsinnig wie immer, der heilige Thomas: „In der Heiligen Schrift wird das
Göttliche uns vorgelegt in der Weise, wie es die Menschen zu tun pflegen[28].“
Wie nämlich das wesenhafte Wort Gottes den Menschen in allem ähnlich geworden
ist, „die Sünde ausgenommen“
(Hebr. 4,15), so sind auch Gottes Worte, durch menschliche Zungen ausgedrückt,
in allem der menschlichen Sprache ähnlich geworden, den Irrtum ausgenommen. Diese aus der Vorsehung Gottes stammende
„Herablassung“ hat schon der heilige Johannes Chrysostomus hoch gefeiert und
ihr Vorhandensein in den Heiligen Büchern immer wieder vermerkt.[29]
Besseres Verständnis und
oft Lösung der Schwierigkeiten
30 Um den heutigen Erfordernissen der
Bibelwissenschaft zu entsprechen, muß deshalb der katholische Exeget bei der
Auslegung der Heiligen Schrift und beim Nachweis ihrer Irrtumslosigkeit auch
dieses Hilfsmittel in kluger Weise benutzen zu sehen, was die Redegattung oder
literarische Art, die der heilige Schriftsteller gebraucht, für die richtige
und zutreffende Erklärung bedeutet, und er soll überzeugt sein, dass er diese
Seite seiner Aufgabe ohne großen Nachteil für die katholische Exegese nicht
vernachlässigen darf. Nicht selten nämlich – um nur dies eine zu berühren-,
wenn manche Leute immer wieder den Vorwurf erheben, die biblischen
Schriftsteller seien von der geschichtlichen Treue abgewichen oder hätten die
Tatsache weniger genau berichtet, handelt es sich offensichtlich nur um die
gebräuchlichen, den Alten eigenen Rede- und Erzählungsarten, die man im
gegenseitigen Verkehr allenthalben anzuwenden pflegte und die anerkanntermaßen
im täglichen Umgang als erlaubt betrachtet wurden. Die Billigkeit und
Gerechtigkeit des Urteils verlangt daher, dass derartige Ausdrucksweisen, wenn
sie sich in den für die Menschen nach Menschenweise ausgedrückten Wort Gottes
finden, ebenso wenig des Irrtums
geziehen werden, als wenn sie im tagtäglichen Leben gebraucht werden. Kennt man
also diese Rede- und Schreibarten der Alten und beurteilt man sie richtig, so
lassen sich viele Einwürfe widerlegen, die gegen die Wahrhaftigkeit und
geschichtliche Treue der Heiligen Bücher erhoben werden. Ebenso nützlich ist
ein Studium dieser Frage auch für das tiefere und klarer Verständnis der
Gedanken des heiligen Schriftstellers.
Studium der
Alterswissenschaften
31 Unsere Vertreter der Bibelwissenschaft
sollen also auch in diesem Punkt gebührende Aufmerksamkeit schenken und nicht
unberücksichtigt lassen, was die Archäologie, die alte Geschichte und die
Geschichte der alten Literatur an Neuem gebracht hat und was dazu dient, dass
man die Absicht der alten Schriftsteller und ihre Art uns Weise zu denken, zu
erzählen und zu schreiben, richtig erfasst. In dieser Hinsicht müssen auch die
katholischen Laien daran denken, dass sie nicht nur einen nützlichen Beitrag
zum profanen Wissen leisten, sondern sich auch um das Christentum höchst
verdient machen, wenn sie sich mit allem gebührenden Eifer und Fleiß der
Erforschung und Untersuchung des Altertums widmen und an der Lösung solcher
bisher nicht geklärter Fragen nach Kräften mithelfen. Jede menschliche
Erkenntnis, auch wenn sie nicht religiösen Charakters ist, hat schon in sich
ihre eigene Würde und Hoheit – ist sie doch eine endliche Anteilnahme an Gottes
unendlicher Erkenntnis -; wenn sie aber dazu verwendet wird, Fragen die Gott
oder Göttliches betreffen, heller zu beleuchten, so erhält sie dadurch eine
neue, höhere Würde und Weihe.
4. Die Behandlung der schwierigen Fragen
Gelöste Schwierigkeiten
32 Die oben erwähnte eingehendere
Erforschung des alten Orients, das genauere Studium des Urtextes der Heiligen
Schrift, die ausgedehntere und vollkommenere Kenntnis der Sprachen der Bibel
und des Orients im allgemeinen hatten, mit Gottes Hilfe, glücklicherweise zur
Folge, dass nunmehr nicht wenige der Fragen völlig geklärt sind, die zur Zeit
Unseres Vorgängers Leo XIII. von Kritikern, die außerhalb der Kirche standen
oder ihr sogar feindselig gesinnt waren, gegen die Echtheit, das Alter die
Unverfälschtheit und die geschichtliche Zuverlässigkeit der biblischen Bücher
vorgebracht wurden. Die katholischen Exegeten haben die gleichen
wissenschaftlichen Waffen, die die Gegner nicht selten missbrauchten, in der
richtigen Weise gebraucht und so Erklärungen vorgelegt, die einerseits mit der
katholischen Lehre und der echten alten Überlieferung im Einklang stehen,
anderseits den Schwierigkeiten gewachsen sind, welche die neueren Forschungen
und Funde brachten oder die das Altertum unserer Zeit ungelöst hinterlassen
hat. So ist es gekommen, dass das Vertrauen auf die Autorität und die
geschichtliche Treue der Bibel, das durch die vielen Anfechtungen bei manchen
erschüttert war, heute bei den Katholiken wiederhergestellt ist; ja, es fehlt
sogar auch unter den Nichtkatholiken nicht an Schriftstellern, die durch ruhige
und sachliche Forschung dazu geführt worden sind, die neueren Ansichten
aufzugeben und, wenigstens da und dort, zu den älteren Anschauungen
zurückzukehren. Diese Änderung der Lage ist zu einem großen Teil der unverdrossenen
Arbeit zu verdanken, mit der sich die katholischen Schriftausleger, unbeirrt
durch Schwierigkeiten und Hindernisse aller Art, aus voller Kraft bemühten, die
Ergebnisse der heutigen gelehrten Forschung auf dem Gebiet der Archäologie, der
Geschichte und der Sprachwissenschaft für die Lösung der neuen Fragen nutzbar
zu machen.
Nicht gelöste
Schwierigkeiten
33 Es braucht sich indes niemand zu
wundern, dass bis jetzt noch nicht alle Schwierigkeiten restlos bereinigt sind,
sondern daß es auch heute noch Fragen gibt, die den katholischen Exegeten nicht
wenig zu schaffen machen. Bei dieser Lage der Dinge darf man sicherlich nicht
den Mut verlieren; man darf auch nicht vergessen, dass es in der menschlichen
Wissenschaft nicht anders geht als in der Natur; die Unternehmungen wachsen
langsam, und die Frucht kann man erst nach vieler Arbeit pflücken. So ging es
mit manchen Fragen, die in der Vergangenheit ungelöst und unbeantwortet
geblieben waren und erst in der Gegenwart durch den Fortschritt des Wissens
eine glückliche Erledigung gefunden haben. Daher steht zu hoffen, dass auch die
Schwierigkeiten, die heute noch ganz verwickelt und völlig undurchdringlich
scheinen, im Lauf der Zeit durch unablässige Arbeit endgültig geklärt werden.
Wenn die ersehnte Lösung lange ausbleibt und der glückliche Erfolg nicht uns
beschieden ist, sondern vielleicht erst späteren Geschlechtern zuteil wird, so
kann sich niemand darüber grämen, denn billigerweise gilt auch für uns, was die
Väter, vor allem Augustinus[30],
zu ihrer Zeit betonten: Gott habe in den von ihm inspirierten Heiligen Büchern
absichtlich Schwierigkeiten gelassen, damit wir zu eifrigem Studium und
Forschen angespornt und, der Grenzen unseres Geistes uns heilsam bewusst, in
der geziemenden Demut geschult werden. Darum wäre es auch nicht zu verwundern,
wenn sich für die eine oder andere Frage überhaupt nie eine voll befriedigende
Antwort finden ließe; denn es handelt sich bisweilen um dunkle Dinge, die von
der Gegenwart und von der Erfahrung der Jetztzeit allzuweit abliegen, und auch
die Exegese darf wie andere bedeutende Wissenschaften ihre Geheimnisse haben,
die unserem Geist unzugänglich bleiben und durch keinerlei Bemühen enträtselt
werden können.
Mühe um rechte Lösungen
34 Durch die Sachlage darf sich jedoch der
katholische Exeget, der eine tätige und starke Liebe zu seinem Fach hat und der
heiligen Mutter Kirche aufrichtig ergeben ist, keineswegs davon abhalten
lassen, die schwierigen, bisher ungelösten Fragen immer und immer wieder
anzugreifen, nicht nur um die Einwendungen der Gegner zu widerlegen, sondern
vor allem, um eine positive Lösung herauszuarbeiten, eine Lösung, die mit der
Lehre der Kirche im Einklang steht, besonders mit der Überlieferung von der
vollen Irrtumslosigkeit der Heiligen Schrift, während sie anderseits den
gesicherten Ergebnissen der Profanwissenschaften gebührend Rechnung trägt. Die
Bemühungen dieser tüchtigen Arbeiter im Weinberg des Herrn soll man nicht nur
mit Billigkeit und Gerechtigkeit, sondern auch mit Liebe beurteilen. Dieser
Pflicht mögen alle anderen Söhne der Kirche eingedenk sein und sich von einem
wenig klugen Eifer fernhalten, da der meint, alles, was neu ist, schon deshalb,
weil es neu ist, bekämpfen oder verdächtigen zu müssen. Bei den Anordnungen und
Gesetzen, die die Kirche gegeben hat, handelt es sich – das mögen sie sich
besonders gegenwärtig halten – um die Glaubens- und Sittenlehre, und unter den
vielen Dingen, die in der Heiligen Schrift, in den Gesetztes- und
Geschichtsbüchern, in der Weisheits- und Prophetenliteratur enthalten sind,
finden sich nur wenige, deren Sinn von der kirchlichen Autorität erklärt worden
ist, und auch die Punkte, in denen bei den heiligen Vätern Übereinstimmung
herrscht, sind nicht viel zahlreicher. Daher bleiben viele, und zwar ganz
wichtige Fragen, bei deren Erörterung und Erklärung die katholischen Exegeten
ihren Scharfblick und ihr Talent in voller Freiheit betätigen können und
müssen, auf daß ein jeder nach Kräften beitrage zum allgemeinen Nutzen, zu immer
wachsendem Fortschritt der kirchlichen Wissenschaft und zur Verteidigung und
Ehre der Kirche. Diese echte Freiheit der Kinder Gottes, die einerseits treu
festhält an der Lehre der Kirche, anderseits jeden Beitrag der
Profanwissenschaften dankbar als Gottesgabe annimmt und verwertet, getragen und
gehalten von der Liebe aller, ist Bedingung und Quelle alles wirklichen
Erfolges und alles dauerhaften Fortschritts der katholischen Wissenschaft.
Trefflich äußert sich darüber Unser unvergesslicher Vorgänger Leo XIII., wenn
er sagt: „Nur wenn die Herzen einig und die Prinzipien sichergestellt sind,
darf man aus den verschiedenen Arbeiten vieler großer Fortschritte in dieser
Wissenschaft erhoffen[31].“
5. Die Heilige Schrift
und die Unterweisung der Gläubigen
Schwere
Pflicht, den Schatz zu nützen
35 Es ist eine gewaltige Arbeit, die die
katholische Exegese während fast zwei Jahrtausenden geleistet hat, damit das
Wort Gottes, das den Menschen in der Heiligen Schrift geschenkt worden ist,
immer tiefer und vollkommener verstanden und stets inniger geliebt werde. Wer
diese Leistung betrachtet, wird sich unschwer davon überzeugen, dass es für die
Gläubigen, vor allem für die Priester, eine schwere Pflicht ist, den Schatz,
den die größten Geister in so vielen Jahrhunderten gesammelt haben, nun auch
ausgiebig und treu zu benutzen. Gott hat ja den Menschen die Heiligen Bücher
nicht gegeben, um ihre Neugierde zu befriedigen oder um Arbeits- und
Forschungsmaterial zu bieten, sondern wie der Apostel bemerkt, damit die Heilige
Schrift uns „unterweise zum Heil durch den Glauben an Christus Jesus“ und „der
Gottgeweihte Mensch vollkommen sei, ausgerüstet zu jedem guten Werk“ (vgl. 2
Tim. 3,15.17).
Die Priester und die
Heilige Schrift – Die biblische Predigt
36 Die Priester also, denen die Sorge für
das ewige Heil der Gläubigen übertragen ist, mögen zunächst selbst die Heiligen
Bücher in sorgfältigem Studium durchforschen und sie sich durch Gebet und
Betrachtung zu eigen machen; dann aber fallen sie die himmlischen Reichtümer des
göttlichen Wortes eifrig austeilen in Predigten, Homilien und Ansprachen und
die christliche Lehre durch Worte aus der Heiligen Schrift bekräftigen und
durch treffliche Beispiele aus der heiligen Geschichte, besonders aus dem
Evangelium Christi des Herrn, beleuchten. Bei all dieser Tätigkeit mögen sie
mit gewissenhafter Sorgfalt jene Akkomodationen meiden, die nur aus
persönlicher Willkür stammen und weit hergeholt sind – diese sind nicht
Gebrauch, sondern Missbrauch des Wortes Gottes -; sie sollen vielmehr alles o
beredt, so lichtvoll und klar vortragen, dass die Gläubigen nicht nur zur
rechten Lebensführung angespornt und begeistert, sondern auch mit tiefer
Verehrung für die Heilige Schrift erfüllt werden.
Bibelbewegung – Die
Verbreitung der Heiligen Schrift –
Die
Gottesdienstliche Verwendung – Biblische Konferenzen
37 Diese Verehrung sollen sodann die
Oberhirten der Sprengel bei den ihnen anvertrauten Gläubigen noch
ausdrücklicher von Tag zu Tag mehren und zu vervollkommnen trachten und alle
die Unternehmungen fördern, durch die apostolisch gesinnte Männer die Kenntnis
der Liebe der Heiligen Schrift unter den Katholiken in lobenswerter Weise zu
wecken und zu beheben suchen. Sie mögen also ihre Gunst und Hilfe den frommen
Vereinen zuwenden, die sich zur Aufgabe machen, Aufgaben der Heiligen Schrift,
besonders der Evangelien, unter den Gläubigen zu verbreiten und deren tägliche
fromme Lesung in den christlichen Familien eifrig zu fördern. Die mit
Gutheißung der kirchlichen Autorität herausgegebenen Übersetzungen der Heiligen
Schrift in die Muttersprache sollen sie durch ihr Wort und, wo die liturgischen
Gesetze es zulassen, durch entsprechende Verwendung wirksam empfehlen;
öffentliche Vorträge oder Konferenzen über Bibelfragen mögen sie entweder
selbst halten oder durch andere gut geschulte geistliche Redner halten lassen.
Biblische Zeitschriften
38 Die Zeitschriften, die in den
verschiedenen Ländern löblicherweise und mit großem Nutzen herausgegeben
werden, sollen alle Seelsorgspriester nach Kräften unterstützen und unter den
verschiedenen Klassen und Ständen ihrer Herde in passender Weise verbreiten,
sei es, dass diese Veröffentlichungen die wissenschaftliche Behandlung und
Darlegung biblischer Fragen bezwecken, sei es, dass sie die Ergebnisse solcher
Untersuchungen für die Seelsorge oder für die Bedürfnisse der Gläubigen
verarbeiten. Die Seelenhirten seien überzeugt, dass sie in der Seelsorge eine
wirksame Hilfe haben werden an diesen und allen ähnlichen Unternehmungen, die
etwa der Seeleneifer und die rechte Liebe zum Worte Gottes zu diesem erhabenen
Ziel geeignet findet.
Der biblische Unterricht
in den Seminarien
39 Niemand aber kann es entgehen, dass die
Priester al diesen Aufgaben nicht richtig entsprechen können, wenn sie nicht
während ihrer Seminarjahre eine tätige und bleibende Liebe zur Heiligen Schrift
in sich aufgenommen haben. Darum mögen die Bischöfe, denen die väterliche
Fürsorge für ihre Seminarien obliegt, sorgfältig darauf achten, dass auch in
diesem Punkt nichts versäumt wird, was zur Erreichung dieses Zieles behilflich
sein kann. Die Lehrer der Heiligen Schrift sollen den ganzen biblischen
Unterricht in den Seminarien so erteilen, dass sie den jungen Klerikern, die
zum Priestertum und zur Seelsorge herangebildet werden, jene Kenntnis der
Heiligen Bücher vermitteln und jene Liebe zu ihnen einflößen, ohne die sich im
Apostolat keine reiche Frucht erzielen lässt. In der exegetischen Erklärung
sollen sie vor allem auf den theologischen Gehalt achten, überflüssige
Ausführungen vermeiden und sich nicht bei Fragen aufhalten, die eher die
Neugierde befriedigen, als dass sie das echte Wissen und die gesunde
Frömmigkeit fördern. Den Literalsinn und vor allem den theologischen Sinn
sollen sie so gründlich vortragen, so sachkundig erklären und so begeistert
einprägen, dass es ihren Hörern in etwa ergeht wie den Jüngern Jesu Christi auf
dem Weg nach Emmaus, als sie auf die Darlegungen des Herrn hin ausriefen:
„Brannte nicht unser Herz in uns, als er uns die Schrift erschloß?“ (Lk 24,32).
Die künftigen Priester und
die Heilige Schrift
40 Auf diese Weise möge die Heilige Schrift
für die künftigen Priester der Kirche die reine und unversiegliche Quelle
werden für das eigene geistliche Leben, für das Predigtamt aber, das sie
übernehmen sollen, Nahrung und Kraft. Wenn die Professoren dieses wichtigen
Faches in den Seminarien dieses Ziel erreichen, dürfen sie das frohe
Bewusstsein haben, zum Heil der Seelen, zur Förderung der Interessen der Kirche
und zur Ehre und zur Verherrlichung Gottes erfolgreich beitragen und ein
wahrhaft apostolisches Werk vollbracht zu haben.
Die heilige Schrift in der
jetzigen Kriegszeit
41 Was Wir im vorausgehenden dargelegt
haben, Ehrwürdige Brüder und geliebte Söhne, gilt für alle Zeiten, aber ganz
vorzüglich für unsere leiderfüllten Tage, in denen fast alle Völker und
Nationen in ein Meer von Unglück versenkt sind; in denen ein unmenschlicher
Krieg Ruinen auf Ruinen häuft und Blutbad an Blutbad reiht, in denen bitterer
Hass der Völker gegeneinander in so vielen, wie Wir mit tiefem Schmerz
wahrnehmen, jedes Gefühl nicht nur der christlichen Mäßigung und Liebe, sondern
selbst der edeln Menschlichkeit erstickt hat. Wer anders kann diese Todeswunden
der menschlichen Gesellschaft teilen als Der, zu dem der Apostelfürst voll
Lieben und Vertrauen spricht: „Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens.“ (Joh 6,69).
Zu Ihm also, unserem erbarmungsreichen Erlöser, müssen wir nach Kräften alle
zurückführen; Er ist der göttliche Tröster der Trauernden; er ist für alle, für
die Regierenden ebenso wie für die Untergebenen, der Lehrer wahrer
Rechtlichkeit, echter Gerechtigkeit, hochherziger Liebe; Er, und Er allein,
kann das feste Fundament und der wirksame Schutz des Friedens und der Ruhe
sein. „Ein anderes Fundament kann niemand legen als das, das gelegt ist, und
das ist Christus Jesus.“ (1 Kor 3,11).
Der Trost Jesu Christi
42 Ihm aber, Christus, den Urheber unseres
Heiles, werden alle um so vollkommener erkennen, um so inniger lieben und um so
treuer nachahmen, je mehr sie zur Kenntnis und Betrachtung der Heiligen
Schrift, besonders des Neuen Testamentes, angeeifert werden. Denn, wie der
heilige Hieronymus sagt: „Die Heilige Schrift nicht kennen, heißt Christus
nicht kennen“[32], und „wenn es etwas gibt,
was den Weisen in diesem Leben hält und ihn in den Bedrängnissen und Wirren der
Welt den Gleichmut bewahren lässt, dann ist es, meine ich, in erster Linie die
Betrachtung und Kenntnis der Heiligen Schrift“[33].
Hier wird, wen immer Widerwärtigkeit und Unglück heimsuchen und niederdrücken,
wahren Trost und göttliche Kraft zum Leiden und zum Ausharren schöpfen; hier,
in den heiligen Evangelien, offenbart sich allen Christus, das höchste und
vollkommenste Ideal der Gerechtigkeit, Liebe und Barmherzigkeit, und dem zermartertem,
angsterfüllten Menschengeschlecht öffnen sich die Quellen der göttlichen Gnade,
ohne die die Völker und die Lenker und die Völker keine öffentliche Ruhe und
keine geistige Eintracht schaffen und erhalten können. Hier endlich werden alle
Christus kennen lernen, „der das Haupt jeglicher Herrschaft und Macht ist“ (Kol
2,10), und „der für uns von Gott her geworden ist zur Weisheit, zur
Gerechtigkeit, zur Heiligung und zur Erlösung“ (1 Kor 1,30).
Vom Amt der Erklärer der
Heiligen Schrift
43 Damit haben wir die Anforderungen
dargelegt und anempfohlen, die die Bedürfnisse unserer Zeit an die Gestaltung
der biblischen Studien stellen. So bleibt Uns denn nur noch übrig, Ehrwürdige
Brüder und geliebte Söhne, alle Vertreter der biblischen Wissenschaft, die ergebene
Söhne der Kirche sind und deren Lehre und Anordnungen treu befolgen, mit
väterlicher Liebe zu beglückwünschen, dass sie zu einem so erhabenen Amt
erwählt und berufen sind, und ihnen zugleich Mut machen, auf dass sie
fortfahren, die glücklich übernommene Aufgabe mit täglich neuer Kraft, mit
vollem Eifer und mit aller Sorgfalt erfüllen. Wir sagen: die erhabene Aufgabe.
Denn was gibt es Höheres, als das Wort Gottes selbst, das durch die Eingebung
des Heiligen Geistes den Menschen geschenkt wurde, zu durchforschen, zu
erklären, den Glauben vorzutragen, gegen die Ungläubigen zu verteidigen? An dieser geistigen Speise nährt sich die
eigene Seele des Schriftauslegers und kräftigt sich „zum Gedanken an den
Glauben, zum Trost in der Hoffnung und zur Ermunterung in der Liebe[34].
„In diesen Studien leben, diese Wahrheiten betrachten, nichts anderes kennen,
nichts anderes suchen: scheint euch das nicht schon hier auf Erden ein Wohnen
im Himmel?“[35] Mit dieser gleichen
Speise mögen auch die Seelen der Gläubigen genährt werden; daraus mögen sie
Erkenntnis und Liebe Gottes schöpfen, Fortschritt im inneren Leben und Glück.
Mahnung an die Erklärer
der Heiligen Schrift
44 Die Erklärer der Heiligen Schrift sollen
sich alle mit ganzer Seele dieser heiligen Aufgabe widmen. „Sie mögen beten, um
Einsicht zu gewinnen“[36];
sie mögen arbeiten, um Tag für Tag tiefer in die Geheimnisse der Heiligen
Bücher einzudringen; sie mögen lehren und predigen, um die Schätze des Wortes
Gottes auch anderen zu erschließen. Was die Schriftausleger in den vergangenen
Jahrhunderten mit herrlichem Erfolg geleistet haben, damit sollen auch die
Exegeten unserer Tage nach Kräften wetteifern, damit die Kirche, wie in der
Vergangenheit, so auch heute hervorragende Meister in der Schrifterklärung
habe, und die Gläubigen durch deren Wirken und Arbeiten aus der Heiligen
Schrift strahlendes Licht, Aufmunterung und Freude gewinnen. Bei dieser
schweren und wichtigen Aufgabe mögen auch sie „Trost an den Heiligen Büchern“
finden (1 Makk 12,9) und des versprochenen Lohnes eingedenk sein; denn so heißt
es: „Die Weisen werden leuchten wie der Glanz des Firmamentes, und die viele
zur Gerechtigkeit angeleitet haben, wie die Sterne in alle Ewigkeit“ (Dan
12,3).
Segen
45 Und nun wünschen Wir von Herzen allen Söhnen
der Kirche, und besonders den Lehrern der Bibelwissenschaft, den jungen
Klerikern und den geistlichen Rednern, dass sie, das Wort Gottes beständig
betrachtend, verkosten wie gut und lieblich der Geist des Herrn ist (Weish
12,1). Dazu erteilen Wir euch allen und jedem einzelnen, Ehrwürdige Brüder und
geliebte Söhne, als Unterpfand der göttlichen Gaben und als Zeichen Unseres
väterlichen Wohlwollens voll Liebe im Herrn den Apostolischen Segen.
(1943), 297-326.
·
Link:
Leo XIII., Providentissimus
Deus, 18. November 1893, über das Studium der Heiligen Schrift
[1] Vierte Sitzung, 1. Dekret; Ench. Bibl. N. 45.
[2] Dritte Sitzung, Kap. 2; Ench. Bibl. N. 62.
[3] Sermo ad alumnos Semiariorum ... in Urbe (24. Juni 1939); Acta Apost. Sedis [=AAS] XXXI
(1939), S. 245-251.
[4] S. Theol. Ia, q. 70, art. 1 ad 3.
[5] De Gen. ad litt. 2,9,20; PL XXXIV, 270f; CSEL XXVIII
(Sectio III, pars 2), S. 46.
[6] Leonis XIII Acta XIII, S. 355 ; Ench. Bibl. N. 106.
[7] Cf. Benedikt XV., Enz. „SPIRITUS PARACLITUS“, AAS. XII (1920), S. 396 ;
Ench. Bibl. N. 471.
[8] Leonis XIII Acta XIII, S. 357 f; Ench. Bibl. N 109 f.
[9] Vgl. ebd. S. 328; Ench. Bibl. N. 67 f.
[10] Apostolisches Schreiben
“Hierosolymae in coenobio” vom 17. September 1892; Leonis XIII Acta XII, S. 240.
[11] Apostolisches Schreiben “Vigilantiae” vom 30. Oktober 1902; Leonis XIII Acta XXII, S. 232 f ; Ench. Bibl. N. 130-141; N. 130, 132.
[12] Vgl. Schreiben der päpstlichen Bibelkommission an die Erzbischöfe und Bischöfe Italiens vom 20. August 1941; AAS XXXIII (1941), S. 465-472.
[13] Apostolischen Schreiben “Scripturae Sanctae” vom 23. Februar 1904; Pii X Acta I, S. 176-179; Ench. Bibl. N. 142-150; cf. N. 143-144.
[14] Apostolisches Schreiben „Quoniam in re biblica“ vom 27. März 1906; Pii X Acta III, S. 72-76; Ench. Bibl. N. 155-173; cf. N. 155.
[15] Apostolisches Schreiben
„Vinea electa“ vom 7. Mai 1909; AAS. 1 (1909), S. 447-449; Ench. Bibl. N. 293-306; cf. N. 296 und 294.
[16] Vgl. Motu Proprio „Bibliorum scientiam” vom 27. April 1924; AAS. XVI (1924), S. 180-182; Ench. Bibl. N. 518-525.
[17] Schreiben an den hochwürdigsten Abt D. Aidan Gasquet vom 3. Dezember 1907; Pii X Acta IV, S. 117-119; Ench. Bibl. N. 285 f.
[18] Apostolische Konstitution „Inter praecipuas“ vom 15. Juni 1933; AAS XXVI (1934), S. 85-87.
[19] Schreiben an S. Em. Kard.
Casetta „Qui piam“ vom 21. Januar
1907; Pii X Acta IV, S. 23-25.
[20] Rundschreiben “Spiritus Paraclitus” vom 15. September 1920; AAS. XII (1920), S. 385-422; Ench. Bibl. N. 457-508; cf. 457, 495, 497, 491.
[21] Vgl. z.B. Hieronymus,
Praef. In IV Evang. ad Damasum; PL XXIX, 526 f; August., De doctr. christ. II, 16; PL. XXXIV, 42 f.
[22] De doctr. christ. II, 21; PL. XXXIV, 46.
[23] Sess. IV, Decr. De editione et usu Sacrorum Librorum; Conc. Trid. Ausgabe der Görresgesellschaft, Bd. V. S. 91 f.
[24] Ebd. Bd. X, S. 471; vgl.
Bd. V, S. 29, 59, 65; Bd. X,
S. 446 f.
[25] Leonis XIII Acta XIII, S. 345 f ; Ench. Bibl.
N. 94-96.
[26] Vgl. Benedikt XV.
Rundschreiben „Spiritus Paraclitus“; AAS. XII (1920), S. 390; Ench. Bibl. N. 461.
[27] Contra Arianos I, 54; PG. XXVI, 123.
[28] Comment. Ad Hebr. Cap. I, lectio 4.
[29] Vgl. z.B. In Gen 1,4 (PG. LIII, 34 f); In Gen 2,21 (ebd. 121); In Gen 3,8 (ebd. 135); Hom. 51 in Joann., ad 1, 18 (PG LIX, 97 f).
[30] Vgl. Aug., Epist. 149 ad Paulinum, n. 34 (PL. XXXIII, 644); De diversis quaestionibus,
Q. 53, n.2 (ebd. XL, 36); Enarr. in Ps. 146, n. 12 (ebd. XXXVII. 1907).
[31] Apost. Schreiben „Vigilantiae, Leonis XIII Acta
XXII, S. 237; Ench. Bibl. N. 136.
[32] S. Hieron., In Isaiam, prologus; PL. XXIV, 17.
[33] Ebd., In Ephesios, prologus; PL XXVI, 439.
[34] Vgl. August., Contra Faustum XIII, 18; PL. XLII, 294; CSEL XXV, 400.
[35] Hieron., ep. 53,10; PL. XXII, 549; CSEL LIV 463.
[36] August., De doctr. christ. III, 56 ; PL XXXIV,
89.