Kaplan Dr. Josef Spindelböck, Ybbs an der Donau

Der Heilige Geist als Quelle des Lebens
Geistlicher Vortrag vor Firmeltern und Paten am 15. bzw. 29. Mai 1998


Liebe Eltern unserer Firmkandidaten, liebe Paten!

In wenigen Wochen werden Ihre Kinder oder Patenkinder durch die Salbung mit Chrisam und die Gebetsworte des Bischofs das Sakrament der Firmung empfangen. Ein großer Tag naht - und dies ist er für uns Christen nicht nur wegen der besonderen Festlichkeit und der damit verbundenen schönen Familienfeier, sondern vor allem aufgrund unseres Glaubens. Firmung ist nicht nur ein schöner Brauch, sondern ein Fest des Glaubens!

Die Firmung ist eines der sieben Sakramente: Taufe, Firmung, Eucharistie, Buße, Krankensalbung, Priesterweihe, Ehe. Sakramente sind heilige Zeichen, die von Christus eingesetzt wurden und die eine bestimmte geistliche Wirkung hervorbringen.

Jedes Sakrament steht an einer entscheidenden Station unseres Lebensweges: Die Taufe schafft die Grundlage für den Eintritt ins christliche Leben, da wir durch sie zu Kindern Gottes und zu Mitgliedern der Kirche werden. Die Heilige Eucharistie stärkt uns auf dem Weg zu Gott mit dem Leib und dem Blut Christi, den wir unter der Gestalt des Brotes und Weines empfangen. Das Sakrament der Buße reinigt uns von Schuld und Sünde und gibt uns Kraft im Kampf gegen das Böse. Die Krankensalbung ist eine von Gott gewährte Hilfe für Menschen in schwerer Krankheit oder in der Gebrechlichkeit des Alters. Die Priesterweihe schenkt eine besondere Teilhabe am Priestertum Christi zum Dienst an den Menschen. Und die Ehe als Sakrament verbindet Mann und Frau in einer Gemeinschaft der Liebe und des Lebens, sodaß sie einander zur Heiligkeit führen und ihre Kinder in rechter Weise erziehen können. Das sind in sehr verkürzter Weise die Wirkungen der Sakramente. Die Firmung wurde hier ausgelassen, denn sie ist ja unser Thema!

Was ist nun das Besondere an der Firmung? Sicher haben Sie es schon bei der eigenen Firmvorbereitung vor einigen Jahren oder Jahrzehnten gehört oder jetzt wieder von ihren Kindern: Die Firmung ist das Sakrament des Heiligen Geistes! Sie stattet uns mit einer besonderen Kraft dieses Heiligen Geistes aus, der uns stärkt und uns befähigt, aus dem Glauben zu leben und für Christus Zeugnis abzulegen. Die Firmung ist das Sakrament des christlichen Erwachsenwerdens und vollendet die Taufe.

Und da stellt sich für uns natürlich die Frage: Wer ist der Heilige Geist? Ist er irgendeine unbekannte Kraft, die über uns kommt und vor der wir womöglich etwas Unbehagen haben? Oder ist er mehr?

Nach unserem christlichen Glauben - und darin sind sich alle Christen einig - ist der Heilige Geist die dritte göttliche Person. Gott ist einer - ein einziger -, daran halten wir unbedingt fest, aber er ist dies in der Fülle eines dreipersönlichen Lebens. Ein Gott in drei Personen: Gott Vater, Gott Sohn und Gott Heiliger Geist. So bekennen wir es bei jedem Kreuzzeichen, wenn wir beten: "Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen." Ähnlich wird es bereits bei der Taufe ausgedrückt: "Ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes."

Oder schließlich, wenn wir im Glaubensbekenntnis beten: "Ich glaube an den Heiligen Geist." Dieses Glaubensbekenntnis nennen wir das Apostolische, da es den Glauben zum Ausdruck bringt, den die Kirche von den Aposteln empfangen hat. Die Kirche hat nämlich den Auftrag, den Glauben der Apostel unversehrt zu bewahren und zu verkünden. Sie muß ihn treu verkünden. Nicht einmal der Papst hätte die Vollmacht dazu, beispielsweise den Glauben an den Heiligen Geist abzuschaffen oder das Firmsakrament zu verbieten. Freilich ergeben sich im Laufe der Geschichte bestimmte neue Einsichten in Zusammenhänge, die früher nicht möglich waren. Und so hat die Kirche auch ein ausführlicheres Glaubensbekenntnis formuliert. Manchmal wird es bei uns an Sonn- und Feiertagen gebetet. Wir nennen es das "Nicäno-Konstantinopolitanische Glaubensbekenntnis", da es auf die Konzilien von Nicäa (325) und Konstantinopel (381) zurückgeht. Der Abschnitt über den Heiligen Geist lautet folgendermaßen: "Wir glauben an den Heiligen Geist, der Herr ist und lebendig macht, der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht, der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird, der gesprochen hat durch die Propheten" (vgl. Gotteslob, Nr. 356).

Der Heilige Geist wird darin als "Herr und Lebensspender" bezeichnet. "Herr" ist hier im Sinne von Gott zu verstehen - es gibt nur einen Gott, aber in drei Personen, und eine dieser Personen ist der Heilige Geist. Jeder dieser drei göttlichen Personen gebührt in gleicher Weise Anbetung und Verherrlichung. Das geschieht bei jedem Gebet, auch wenn wir nicht ausdrücklich daran denken. Doch ist es mitunter hilfreich, eigens ein Gebet an den Heiligen Geist zu richten, wie wir dies auch am Anfang unserer Zusammenkunft getan haben. Der Heilige Geist geht aus dem Vater und dem Sohn hervor - das heißt, die Liebe in Gott zwischen Vater und Sohn ist so stark und so groß, daß eine eigene göttlicher Person aus dieser Liebe hervorgeht, eben der Heilige Geist. Der Heilige Geist ist die Liebe zwischen Vater und Sohn. Dabei handelt es sich natürlich um einen rein geistigen Vorgang, denn wir dürfen hier nicht in "männlichen" oder "weiblichen" Kategorien denken.

Die Liebe ist fruchtbar, sie strebt danach, sich selbst zu verströmen und zu verschenken an andere. Sollte es bei Gott anders sein, der die Liebe und das Leben ist? Ja noch mehr, wir müssen sagen: Gerade Gott selber zeigt durch sein ganzes Wesen und Wirken, daß er die Liebe ist. So hat er alles geschaffen, was lebt und existiert. Alles, was es gibt, verdankt Gott sein Dasein. Alles hat in ihm seinen Ursprung und sein Ziel. Ohne Gott ist nichts, was geworden ist und existiert. In Gottes Liebe hat alles seinen Ursprung.

Weil die Liebe in Gott in besonderer Weise dem Heiligen Geist zugeeignet wird, dann nennen wir ihn mit Recht den "Schöpfer Geist", den Herrn und Lebensspender.

Die Bezeichnung "Geist" verleitet dazu, daß wir uns den Heiligen Geist als zu blaß und als fast unwirklich vorstellen. Doch der Geist ist lebendige Wirklichkeit, er ist das Leben, und er spendet Leben! Ja, er schenkt die Fülle des Lebens. Und nach dieser Fülle verlangen wir alle: Ein jeder von uns spürt in seinem Herzen das Verlangen nach Glück und Geborgenheit, nach einer Freude und einem Frieden, die nicht enden.

Eben diese Fülle des Lebens nennen wir das Heil, das uns Jesus Christus am Kreuz durch sein Leiden und Sterben verdient hat und das uns der auferstandene Herr im Heiligen Geist schenken möchte!

Das übernatürliche Leben, das göttliche Leben also, ist ein unvorstellbar großes Geschenk. Unser natürliches Leben wird emporgehoben zu Gott, wir werden vergöttlicht und geheiligt. So bewirkt der Heilige Geist in der Firmung, daß wir noch mehr als bisher zu einem Kind Gottes werden, daß wir noch inniger mit Christus verbunden werden und daß wir die Gaben des Heiligen Geistes empfangen, die da sind: Weisheit und Verstand, Wissenschaft und Frömmigkeit, Rat und Stärke, Furcht des Herrn. Wir werden durch die Firmung noch fester mit der Kirche verbunden und wir werden gestärkt zum mutigen Bekenntnis des Glaubens.

Wir dürfen uns freuen, daß unsere Kinder bzw. Patenkinder dieses große Sakrament empfangen können. Vielleicht ist es auch für uns als Eltern und Paten ein Anlaß, uns gut darauf vorzubereiten und diese Gnade, die wir selber bereits empfangen haben, wieder im Herzen zu erneuern. Der Heilige Geist möge es uns schenken!

Die Fürbitte der seligen Jungfrau Maria wollen wir in diesen Tagen besonders anrufen. Sie hat im Abendmahlssaal mit den Aposteln und Jüngern um das Kommen des Heiligen Geistes gebetet. Sie will und wird auch uns den Heiligen Geist von Gott erbitten!

HTML-Dokument erstellt am 30..05.1998.



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