Kaplan Dr. Josef Spindelböck, Ybbs an der Donau

Der Heilige Geist - das Lebensprinzip der Kirche
(in: Regina Legionis 1998/3, 75)


Wenn in der öffentlichen Meinung das Thema "Kirche" derzeit "in" ist, so wird darunter in verkürzter Weise meist nur die äußere Seite von Kirche und hier wiederum nur eine sogenannte "Amtskirche" verstanden. Es besteht die Gefahr, das eigentliche Wesen und Mysterium der Kirche in ihrer zugleich göttlichen und menschlichen Realität zu übersehen und an einer so verstandenen "Kirche" irre zu werden.

Das "Jahr des Heiligen Geistes" 1998 lädt dazu ein, unsere Sicht der Kirche als Heiligtum, ja Tempel des Heiligen Geistes zu vertiefen.

Ähnlich wie ein Leib aus vielen Gliedern besteht und diese untereinander und mit ihrem Haupt eine Einheit bilden, ist es auch mit der Kirche als dem "geheimnisvollen Leib Christi" (vgl. 1 Kor 12,12-27). Sie ist ein Leib aus vielen Gliedern: das Haupt ist Christus, die zur Kirche gehörenden Gläubigen sind die Glieder dieses Leibes.

Wie aber jeder Leib eine Seele braucht, um leben und sich entfalten zu können, so ist es auch bei der Kirche: Ihre "Seele", ihr inneres Lebensprinzip, das ihre Einheit und lebendige Wirksamkeit garantiert, ist der Heilige Geist. "Was unser Geist, das heißt unsere Seele, für unsere Glieder ist, das ist der Heilige Geist für die Glieder Christi, für den Leib Christi, die Kirche" (Augustinus, Sermo 268,2). Der Heilige Geist ist "ganz im Haupt, ganz im Leib, ganz in den einzelnen Gliedern" (Pius XII., "Mystici corporis"). So wirkt er die Einheit der Kirche in der Verschiedenheit ihrer Dienste und Aufgaben.

Wo ist der Heilige Geist in besonderer Weise wirksam?

Die Kirche hat Zukunft, weil in ihr der Geist Gottes lebt und wirkt. "Wo die Kirche ist, da ist auch der Geist Gottes; und wo der Geist Gottes ist, dort ist die Kirche und alle Gnade", schreibt der heilige Irenäus von Lyon (Adv. haer. 3,24,1).

Mit Maria, der Braut des Heiligen Geistes und der Königin unseres Apostolats, wollen wir stets auf den Heiligen Geist blicken und ihn voll Vertrauen anrufen, damit er uns erleuchtet, stärkt und tröstet:

Aus dem Gebet für das Jahr des Heiligen Geistes 1998 von Papst Johannes Paul II.


HTML-Dokument erstellt am 15.05.1998.



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