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Eine empfehlenswerte Biblische Theologie
Rezension zu A.K. Fenz: Liebgewonnen und erwählt (1997)

Josef Spindelböck

Hinweis/Quelle: Augustinus Kurt Fenz Liebgewonnen und erwählt (Dtn 4,37) Einführende Perspektiven in die Theologie des Alten Testaments St. Ottilien 1997. 368 S., kartoniert, ISBN 3–88096–356–8, EOS Verlag St. Ottilien öS 263,-/ DM 36,

Prof. P. Univ. Doz. Dr. Augustinus Kurt Fenz OCist (Stift Heiligenkreuz) hat nun die wichtigsten Ergebnisse seiner jahrelangen Lehr- und Forschungstätigkeit zur Biblischen Theologie des Alten Testamentes in Buchform veröffentlicht.

Im Vorwort von „Liebgewonnen und erwählt“ beschreibt Fenz das Anliegen einer Biblischen Theologie als das Bemühen, zu einer durch die Kenntnis charakteristischer Einzelheiten fundierten Gesamtschau des in der Heiligen Schrift dokumentierten göttlichen Heilshandelns zu gelangen (16). Dabei entfaltet die „Biblische Theologie“ ein durchaus eigenständiges Profil:

Biblische Theologie ist somit meines Erachtens jener Teil der – selbstverständlich christlichen – Theologie, der den theologischen Gehalt der Heiligen Schrift mit bibeladäquaten Ausdrucksformen darstellen will; und nicht jener Bestandteil der Theologie, der für die Dogmatik den biblischen Beweis erbringt. (20)

Das Motto „Liebgewonnen und erwählt“ stammt aus dem Buch Deuteronomium 4,37: „Weil er deine Väter liebgewonnen hatte, hat er alle Nachkommen eines jeden von ihnen erwählt und dich dann in eigener Person durch seine große Kraft aus Ägypten geführt ...“

Im Zentrum der Bundestheologie des Alten Testamentes steht die Liebe Gottes zu den Menschen, die er zu seinem Volk erwählt hat. Nicht eigener Verdienst oder eigene Gerechtigkeit begründen die Erwählung des Abraham, des Mose sowie des Volkes Israel durch Gott, sondern seine unbegreifliche Liebe.

Das grundlegende Ereignis der Heilsgeschichte Gottes mit seinem Volk (das factum primordiale) ist daher der Bundesschluß am Sinai (47 f). Alles Vorherige – wie die Berufung des Mose und der Auszug aus Ägypten – hat dieses Geschehen nur vorbereitet und war eine Hinführung darauf.

In dieser Erwählungstat Gottes geschieht göttliche Selbstmitteilung oder Offenbarung. Gott ist da für das Volk, er ist „Jahwe“. Er ergreift die Initiative und erwählt das Volk in Liebe zu seinem Bund. Zugleich bezieht er das freie Handeln der Menschen mit ein (52 f).

Der Heilsplan Gottes mit seinem Volk, die Heilsgeschichte, ist ein Prozeß verschiedener Linien, die der gläubig reflektierende Sinn des Bundesvolkes in einer Zusammenschau der einzelnen Fakten des Heilsgeschehens allmählich entdeckte. Die Heilslinien wurden in den Glaubensformulierungen oder Credenda-Summarien (99 ff) zu „historischen Serien“ verbunden.

Das Alte Testament ist offen auf messianische und eschatologische Vollendung. Dazu bekennt sich der Autor in seiner Biblischen Theologie ausdrücklich (v.a. 201 ff). In Jesus Christus, der in seinem Blut den neuen und ewigen Bund schließt, werden die messianischen Erwartungen „Königlicher Messias“, „Knecht Gottes“ (Ebed Jahwe), „Menschensohn“, „Priesterlicher Messias“ und „Ebenbild Gottes“ auf unüberbietbare Weise erfüllt. Jesus vollendet auch das sittliche Gesetz des Alten Testamentes (233 ff) im neuen Gebot der Gottes- und Nächstenliebe sowie der Feindesliebe gemäß seinem Beispiel.

Zum Problem der theologisch angemessenen Vermittlung ethischer Normen und sittlicher Weisungen der Offenbarung schreibt Fenz (272):

Vor allem bedarf es einer spirituellen, sorgfältigen ethischen Dynamik, die einerseits Jesus sittliche Botschaft nicht zu einem neuen Gesetzeskodex versteinert, anderseits Jesu ethische Forderungen nicht so aufweicht, daß „spießbürgerliche Moral“, die sich den Verhältnissen und Bedingungen dieser Welt bequem anpaßt, geradezu als moderne allgemeingültige Lebensform gepriesen wird. Menschen, die einem solchen Unternehmen frönen, gleichen meines Erachtens Ärzten, die ihren schwerkranken Patienten einreden wollen, daß ihnen nichts fehlt!

Endgültig vollendet erst die endzeitliche Wende am „Tag Jahwes“, wenn Christus wiederkommt und „Gott über alles und in allem“ (1 Kor 15,28) herrschen wird, den Liebesplan Gottes mit seinem Volk (vgl. 275 ff):

Die Teilnahme am verherrlichten Leben des Herrn bereiten zunächst zwei auf Christus bezogene Psalmtexte vor (Ps 8,7; 110,1): „Du hast ihn als Herrscher eingesetzt über das Werk deiner Hände, hast ihm alles zu Füßen gelegt.“ – So spricht Jahwe zu meinem Herrn: Setze dich mir zur Rechten, und ich lege dir deine Feinde als Schemel unter die Füße.“ – Darum werden die Erlösten – die Gott Liebenden, die Berufenen, die Vorauserkannten und Vorherbestimmten – in der Auferstehungsherrlichkeit Christus, dem vollkommensten Ebenbild Gottes, gleichgestaltet (Röm 8,28 f): „Wir wissen, daß Gott bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten führt, bei denen, die nach seinem ewigen Plan berufen sind; (29) denn alle, die er im voraus erkannt hat, hat er auch im voraus dazu bestimmt, an Wesen und Gestalt seines Sohnes teilzuhaben, damit dieser der Erstgeborene von vielen Brüdern sei.“ – Ähnlich formuliert Phil 3,20 f: „Unsere Heimat aber ist im Himmel. Von dorther erwarten wir auch Jesus Christus, den Herrn, als Retter, (21) der unseren armseligen Leib verwandeln wird in die Gestalt seines verherrlichten Leibes, in der Kraft, mit der er sich alles unterwerfen kann.“ (297)

Diese Summe des bibeltheologischen Forschens und Lehrens von Augustinus K. Fenz wird sicher für viele an Exegese und Biblischer Theologie Interessierte (und das sind bestimmt nicht nur Fachtheologen!) mit Gewinn zu lesen sein. Besonders hervorzuheben ist das Bemühen des Autors um Ehrfurcht gegenüber dem Wort Gottes und um Treue zu dessen authentischer Auslegung durch das Lehramt der Kirche.